Bundesforschungsminister Volker Hauff, der in letzter Zeit mit mancherlei kuriosen Sparplänen hervorgetretene Kabinetts-Benjamin, verspürt bereits jetzt am eigenen Leibe, was etlichen Delegierten des nächsten SPD-Parteitages im Dezember in Berlin noch bevorsteht: Er wache nachts auf, wenn er an Kernkraftwerke und Atomstrom denke. Doch trotz, dieser Beschwerden sei er für den bedingten Einsatz der Kernenergie.

Nun ist Hauff freilich seit langem für den Bau von Kernkraftwerken. Doch er und vor allem auch Bundeskanzler Helmut Schmidt hoffen, daß sich bis zum Berliner SPD-Parteitag im Dezember noch eine größere Zahl schwankender Genossen, und sei es auch nur schweren Herzens, für den Ausbau der Kernenergie entscheidet – trotz des Widerstandes Erhard Epplers und trotz des Wunsches des Parteivorsitzenden Willy Brandt, die SPD für „Grüne“ attraktiv zu machen.

Um der Kernenergie in seiner Partei eine Mehrheit zu bewahren, will der Kanzler einige Reiz-Vokabeln weiterpflegen, die Hauff erst jüngst wieder ins Gespräch gebracht hatte, und an denen der kritische Teil der SPD-Delegierten gewiß seine Freude hat.

Dazu zählt neben dem Sonntagsfahrverbot vor allem das Tempolimit auf Autobahnen und Bundesstraßen. Da sich, auf absehbare Zeit, ohnedies weder in der Koalition noch im Bundestag eine Entscheidung für „Tempo 100“ herbeiführen läßt, braucht Schmidt Partei-Resolutionen für Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrverbot oder gegen private Schwimmbäder nicht zu fürchten.

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Ein wenig sorgenvoll blickt unterdessen ein anderer Bundesminister in die Zukunft, der mit dem Bundeskanzler zum Tokioter Weltwirtschafts-Gipfeltreffen gereist war und der nun manchen energiepolitischen Beschluß auszubaden haben wird: Finanzminister Hans Matthöfer.

So mißfällt es ihm zum Beispiel, wenn plötzlich wieder von einem allgemeinen Kilometergeld für die Fahrt oder den Gang zum Arbeitsplatz gesprochen wird. Bislang gibt es ein solches Kilometergeld, 36 Pfennig, nur für die Fahrt im eigenen Auto. Matthöfer, der für das bisherige Kilometergeld, gemeinsam mit den Finanzministern und Kämmerern der Länder und Gemeinden, bereits auf 1,75 Milliarden Mark verzichten muß, müßte dann weitere 700 Millionen Mark fahrenlassen.