Von Klaus-Peter Schmid

Eigentlich war die Erfolgsidee nichts anderes als ein Kind der Krise. Da gab es in Düsseldorf seit 1968 die Marketing-Gesellschaft Inket, die von der Beratung französischer Unternehmen lebte. 1974, als sich die Rezession ansagte, machten die Franzosen die Kassen dicht. „Da hatten wir endlich Zeit, das zu machen, was wir schon immer machen wollten“, sagt heute Inket-Partner Olaf Müller. So startete er mit seinem Kompagnon Jacques Héon das Unternehmen Jacques’ Wein-Depot. Müller: „Not macht erfinderisch.“

Heute hat Jacques’ Wein-Depot 16 Niederlassungen zwischen Berlin und München – und bisher kaum ernsthafte Konkurrenten. Denn in Auswahl und Präsentierung des Angebots bietet die Ladenkette für französische Gewächse Besonderes. Oberster Grundsatz: „Bei uns soll der Kunde Wein wie beim Winzer kaufen.“ Schließlich werden heute schon 40 Prozent der deutschen Weine direkt, also ohne Zwischenschaltung des Handels, bezogen.

Die Sache hat nur den Haken, daß der Weg zu französischen Weinbergen etwas weit ist. So bemühten sich Müller und Héon, jedes ihrer Depots zu einer Art Refugium für den frankophilen Gourmet zu machen. Die Inket-Leute wußten zwar, daß nur sieben bis acht Prozent der deutschen Haushalte für französische Spezialitäten überhaupt ansprechbar sind. Doch entschlossen starteten sie den Kampf um die Gunst des „Häufleins Feinkost-orientierter Nachfrager, das mit dem vielfältigen welschen Angebot aus Käse, Wurst und Wein etwas anfangen kann“ (Lebensmittel-Zeitung).

Ursprünglich hatte Inket auch französische Weinfirmen beraten, doch ohne den erhofften Erfolg. Denn der deutsche Durchschnittskonsument ging in den Selbstbedienungsladen und griff mehr oder weniger blind in die Regale. Dabei geriet er in aller Regel an Massenware, die erst in der Bundesrepublik abgefüllt und „umgekörpert“ (das heißt auf den deutschen Geschmack zurechtgemacht) war. Müller: „Die Minderheit von Frankophilen war damit unzufrieden.“

Diese Kenner-Kunden wurden auch vom Fachhandel oft nicht zufriedengestellt. Denn der verlangte inzwischen horrende Preise für die bekannten Lagen aus Bordeaux und Burgund. Preiswerte Qualität war also so gut wie nicht auf dem Markt – ganz anders als im Erzeugerland. Die Düsseldorfer Berater wurden also zu Händlern. „Schließlich war da eine Marktnische“, erläutert Müller heute den Schritt ins Verkaufsgeschäft.

Jacques’ Wein-Depot führt ausschließlich französische Weine, vom Tafelwein bis zum Champagner. Doch jede Flasche kommt ausnahmslos direkt vom Erzeuger, also vom Winzer oder einer Genossenschaft. Selbstsicher heißt es in einer Mitteilung an die Depot-Kunden: „Ein Weinhändlerprozeß in Paris – wir wissen, warum wir ausschließlich Erzeugerabfüllungen führen!“ Der Kompromiß mit dem deutschen Durchschnittsgeschmack ist somit ausgeschlossen. Statt dessen gibt es ausgefallene Sachen, überraschende Geschmacksrichtungen, erschwingliche Entdeckungen – eben ein ausgesprochenes Nischenprogramm.