Neues System verspricht Senkung des Ölverbrauchs um ein Drittel

Von Franz Frisch

Ein System, das Häuser und Wohnungen mit Wärme und Elektrizität versorgt und dabei um mehr als ein Drittel weniger an Primärenergie verbraucht als die Versorgung nach heutiger Praxis, erscheint angesichts der herrschenden Meinungen von Energieexperten allzu phantastisch. Eine Studie freilich, die dieses alternative System untermauert – sie ist im Auftrag des hessischen Ministerpräsidenten erarbeitet worden –, läßt solchen Eindruck schnell schwinden. Sie ist durchaus von jener Vernunft getragen, die im Hinblick auf die kommenden mageren Jahre die Energiediskussionen wohl oder übel beherrschen muß.

Ulrich Jochimsen, Hans Rupp, Eike Schwarz: „Die Energiebox“; Verlag Walter Dorn, Hannover; 44 S.

Die-Verfasser der Studie gehen von der Überlegung aus, daß wir es uns in der Zukunft nicht mehr leisten können, bei der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen über 60 Prozent und bei der – Wärmegewinnung über 40 Prozent der Primärenergie als Verlust in die Luft zu pumpen. Da der Transport von Fernwärme fünf bis hundertmal soviel kostet wie der Transport von Öl; Gas und Kohle, plädieren sie dafür, daß Strom und Wärme gemeinsam dort gewonnen werden, wo man sie braucht – und zwar gleich im richtigen Verhältnis. Wärme-Kraft-Kopplung also mit vielen kleinen Einheiten. Für die Energie Versorgungsunternehmen dürfte das Programm allerdings eine harte Nuß bedeuten: Gebremster Ausbau der bisherigen Zentralisierung in der Elektrizitätsversorgung durch Großkraftwerke, Ergänzung der Großkraftwerke durch eine große Anzahl sogenannter Energieboxen direkt beim Verbraucher.

Kostenloser Strom

Diese Energieboxen sind serienmäßig produzierte, kompakte, leicht zu transportierende Kleinheizkraftwerke mit einer elektrischen Leistung zwischen einigen Kilowatt und einigen hundert Kilowatt. In ihrer einfachsten Ausführung bestehen sie aus einem Antriebsmotor, einem Generator zur Stromerzeugung und mehreren Wärmetauschern. Der Hausbesitzer oder der Gewerbetreibende, in dessen Eigentum sich die Energiebox befindet, erzeugt Strom und Wärme nach seinem Bedarf und beliefert darüber hinaus das Elektrizitätsversorgungsunternehmen über das Stromnetz.