Sekretärin in einer Redaktion, das heißt für mich, fünf Tage in der Woche hauptsächlich Adressen tippen, abwechselnd auf weißes, blaues und auch mal auf rosa Papier. Meist sind es Männer, denen ich, mit meinem 1000fach geschriebenen Diktatzeichen versehen, Photos und Honorarbelege ins Haus schicke.

Wenn ich nicht gerade tippe, sortiere ich in große, blecherne, quietschende Karteikästen Politikerköpfe ein. Spätestens bei dieser Tätigkeit, bei der ich mir die Finger aufreiße, wird mir bewußt, daß Politik von Männern gemacht wird. Die einzige Frau, für die ich innerhalb von zehn Monaten eine Mappe anlegte, ist Birgit Breuel.

Meine Chefs, Redakteure ihres Zeichens, sind – wie sollte es anders sein – auch Männer, und weil wir bei einer liberalen Zeitung angestellt sind, nennen sie mich nicht ihre Sekretärin, sondern ihre Mitarbeiterin, weil das netter klingt, finden sie. Ob netter oder nicht, richtiger wäre Dienstbotin.

Allein können meine Vorgesetzten nur sehr wenig: weder die Post öffnen, noch die Wählscheibe am Telephon drehen, noch den Kaffeekorb aus der Kantine holen. Dennoch hab’ ich Prachtexemplare: Sie haben keinen empfindlichen Magen, für den ich frische Orangen zum Gin auspressen muß, noch haben sie den kultivierten Geschmack, der nach „Rosenthal“-Geschirr lechzt, das ich dann abwaschen darf!! Von diesen Aufgaben bin ich verschont.

Mir reicht aber schon die vorhandene Arbeitsteilung, die zu nichts anderem dient als dazu, die sexuelle Hierarchie zu zementieren.

Nach dem Motto: „Wir wollen doch nicht vergessen, wer hier King ist!!“ Und das ist auch nicht zu vergessen, denn ich tippe Briefe, die sich andere ausgedacht haben! Tippe Inhalte, die mich zum Teil mit Grauen erfüllen! Und würge mir dann auch noch die freundlichen Grüße aus der Taste, öffne Post, auf die ich nicht warte, und leite weiter, was andere, aber nicht unbedingt ich, für richtig befinden! Und als gute Sekretärin, oh, pardon, Mitarbeiterin!!!, soll ich auch mein Gedächtnis zur Verfügung stellen, damit ja kein Redakteur seinen Zahnarzttermin versäume. Und schick herrichten soll ich mich auch, daß ich den Redakteuren auch zuzumuten bin! !... denn es ist doch bekannt, daß das „erotische Fluidum der Sekretärin die Männer zu erhöhter Leistung anregt“.

Ich hasse es, diesen Artikel schreiben zu müssen!!! Ich sperre mich dagegen, schwarz auf weiß aufzuschreiben, mir bewußt zu machen, womit