Hörenswert

„Symphonie Swampfire“, veranstaltet von „The Rolf Kühn Orchestra“ mit dem Klarinettisten Rolf Kühn und seinem Bruder, dem Pianisten Joachim Kühn, dem Saxophonisten Charlie Mariano und noch sechs anderen, nicht unbekannten Jazzmusikern. Das Unternehmen läßt Ehrgeiz vermuten, wenngleich der Begriff „symphonisch“ wie üblich erst allgemein verstanden wird und auch nur für das zweiteilige Titelstück auf der ersten Plattenseite gilt. Es hat ein schönes aufsteigendes, oben wie eine Blume aufblühendes Thema, das dann vielen Spielarten aus Jazz, Rock, Funk, Pop ausgesetzt wird, aber dabei niemals um seine romantische Stimmung gebracht wird. So ist es auch mit den drei Stücken der anderen Plattenseite. Denn, nicht wahr, es ist auch je eine Mannschaft von Geigern, Bratschern und Bläsern beteiligt, für den Background. Sehr gut gemachte, nicht sonderlich gedankensprühende Unterhaltungsmusik. (MPS 0068.216)

Manfred Sack

Zwiespältig

Lou Reed: „The Bells“. Kritiker Lester Bangs behauptete kürzlich im „Rolling Stone“, der neuerdings mehr dem Jazz zugewandte Lou Reed habe sich mit diesem Album seine ehrgeizigsten Wunschträume erfüllt und sei endlich „ein großer Schriftsteller im literarischen Sinne“ geworden. Jazz ist auf „The Bells“ herzlich wenig zu hören, dafür um so mehr mit nouveau chic-Pomp überproduzierte Einfälle zu Pop-Songs. Der Text zu „Disco Mystic“ besteht aus eben diesen zwei Wörtern, der von „I Want To Boogie With You“ aus wenig mehr Wörtern, und selbst der akustischen Collagentechnik hat sich Lou Reed schon erfolgreicher bedient als bei „All Through The Night“. Vielleicht fehlt dem von seinem Mythos zehrenden Ex-Originalgenie der Rockmusik nur Sinn für selbstkritische Einschätzung seiner Arbeit, wahrscheinlicher aber neue Song-Ideen. Das interessanteste Stück der Platte, die neun Minuten lange Titelnummer, ist wenig mehr als ein altmodisches Jazzcum-Poesie-Projekt, versetzt mit Kitschelementen. (Arista 1 C 064-62 630)

Franz Schöler