Die Münchener Elektrizitätswerke wollen sich an dem Atomkraftwerk Ohu/Isar beteiligen. Verständlich also, wenn sich die Mitglieder des Stadtrates und die Leitung des Elektrizitätswerkes, es gehört der Stadt, informieren wollen. So flog denn im Frühjahr dieses Jahres eine achtköpfige Studiengruppe für fast einen Monat in die USA. In Flugzeugen und Kleinbussen legten die Münchner rund 25 000 Kilometer zurück. Kosten der Reise: knapp 100 000 Mark. Die Stadtkasse zahlte.

Wenn einer eine Reise macht, so kann er was erzählen: Wilhelm Zankl, Leiter, der Delegation und in der Stadtreinigung Referent für das Elektrizitätswerk, fühlte sich durch die Reise in seinem Ja zum Atomstrom bestärkt. Stadtrat Franz Josef Delonge, Zankls Koreferent und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Rathaus, schwärmte von der „Energieversorgungsphilosophie“ der Amerikaner, die – trotz Harrisburg – der Atomenergie „völlig unverbogen“ gegenüberstünden und Umweltschutz „ohne hysterische Emotionen“ pflegen.

Doch daß die 100 000-Mark-Reise nicht ganz so erfolgreich war, kam erst jetzt bei kommunalpolitischen Biertischgesprächen heraus; Ursprünglich standen Besichtigungen von Kernkraftwerken auf dem Programm, doch zu sehen bekamen die Münchner keines. Die Werktore blieben geschlossen. SPD-Stadtrat Benno Kreitmair: „Auf Grund des Vorfalls von Harrisburg haben uns die Amerikaner in kein einziges Atomkraftwerk reingelassen.“ Und Stadtrat Heffner, FDP: „Wir haben viel über Energieindustrie und -forschung erfahren. Aber es war nicht möglich, ein Atomkraftwerk zu besichtigen.“

Auf dieFrage, wie denn das „Bekenntnis zur Kernkraftenergie“ (Süddeutsche Zeitung) ins Reisegepäck der Heimkehrer gekommen sei, antwortete Kreitmair so: „Man ist vielleicht schon mit der Überzeugung auf die Reise gegangen. Und als wir in San Francisco waren, gab es ab fünf Uhr nachmittags kein Benzin mehr. Das hat wohl auch Eindruck gemacht.“ Außerdem hielten ihnen die Amerikaner Vorträge zum Thema Atomenergie.

Eine teure und sinnlose Reise – aber unsere Städte schwimmen ja im Geld. G. W.