Sehenswert

„Halloween – Die Nacht des Grauens“ von John Carpenter ist kein Film für: Oberlehrer, Bedeutungsfahnder, Moralprediger und Leute mit noch schlechteren Nerven als gemeinhin üblich. „Halloween“ ist ein Film für: Freunde meisterlicher Breitwandkompositionen (die besten seit langem), Anhänger komplexer Kameraoperationen, Partisanen des schlechten Geschmacks, Hitchcock-Anbeter. Natürlich ist Carpenter noch längst nicht so subtil wie Hitchcock, aber in dieser beklemmenden Geschichte vom Einbruch des Bösen in eine friedliche amerikanische Kleinstadt vermittelt er viel vom Zusammenhang zwischen puritanischer Sexualität und Mord, zwischen Verklemmung und Gewalt. Da darf man ruhig an „Psycho“ denken, auch wenn Carpenter virtuose Geisterbahneffekte nicht scheut Aber auch Hitchcock war ja immer weniger seriös als seine europäischen Exegeten ertragen konnten. Nach einer sehr blutigen, schockhaften Exposition nimmt sich der Regisseur von „Dark Star“ und „Assault“ hier viel Zeit, ein Klima allgegenwärtiger Bedrohung herzustellen, raffiniert die Erwartungen der Zuschauer zu manipulieren: ein Kunst-Stück, kein Thesen-Film. Wer Hitchcocks Ideen vom „cinéma pur“ liebt, wird bei seinem begabten Schüler Carpenter auf seine Kosten kommen. Von der ersten Einstellung an ist „Halloween“ ein Maskenball, eine schwarze Messe. Kino zum Fürchten.

Hans C. Blumenberg

Einfältig

„Zum Überleben verdammt“ von Richard Compton gibt sich als apokalyptische Vision einer Welt nach der Atomkatastrophe. Hauptschauplätze sind eine verrottete (Studio-)Slum-Straße, ein verrostetes Stahlwerk und ein abgewracktes Kriegsschiff. Der Dürftigkeit der Lokalitäten entspricht der Mangel an Phantasie beim Regisseur. Richard Harris quält sich ab in seiner Lieblingsrolle als großer Leidender (seine Frau wurde ermordet) und als blauäugiger Prophet (auf der Suche nach einem Fischerdorf mit dem symbolträchtigen Namen Genesis). Einige Stars (Ernest Borgnine, Art Carney, Ann Türkei) dürfen dabei als Stichwortgeber fungieren. Ein gewisses Gespür für gängige Filmtrends kann man Richard Compton („Wild Drivers“, 1974) vielleicht attestieren Denn im Grunde ist „The Ravagers“ (Originaltitel) ein Film über eine Straßenbande auf der Jagd nach einem Einzelkämpfer (Harris), die im Lauf der Verfolgung von der Straße abkommt und auf Schrottplätzen endet. Doch mit Science-fiction hat das alles recht wenig zu tun.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Die Ehe der Maria Braun“ von Rainer Werner Fassbinder. „Affentraum“ von Marco Ferreri. „Woyzeck“ von Werner Herzog. „Ein komischer Heiliger“ von Klaus Lemke. „In der Glut des Südens“ von Terrence Malick. „Albert – warum?“ von Josef Rödl. „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff. „Ein Tag mit dem Wind“ von Haro Senft. „Die Abfahrer“ von Adolf Winkelmann. „Du wirst noch an mich denken!“ von Alan Rudolph (siehe S. 44).