Rhodesiens erstem schwarzen Ministerpräsidenten lastet ein Alp auf der Brust: das Wort „überzeugend“. Wenn es ihm gelänge, überzeugend zu beweisen, daß in Salisbury tatsächlich ein Machtwechsel stattgefunden habe, dann könne er mit einer Aufhebung der Sanktionen und der Aberkennung seiner Regierung rechnen. So hieß es in London und in Washington.

Doch einen Monat nach Amtsantritt wirkt der Bischof Abel Muzorewa alles andere als überzeugend. Stammeszwistigkeiten haben seine Einheitsregierung zerbrechen lassen (siehe auch Seite 12); der Guerillakrieg tobt wie eh und je; das Regierungsprogramm, das Muzorewa eben vorgelegt hat, sieht zwar Vorteile für die weiße Minderheit, nicht aber Verbesserungen für die Schwarzen vor. Die Ernennung eines nichtweißen Kabinettssekretärs scheiterte am Veto der Weißen. Und der weiße Ex-Premier Ian Smith ist nach wie vor mächtiges Mitglied der Regierung.

Gewiß, die Sanktionen beuteln den Bischof und sein Land. Aber das erklärt allein nicht die Misere. Offensichtlich kann Muzorewa sich nicht durchsetzen. Dennoch: Er ist nach freien, wenngleich umstrittenen Wahlen Regierungschef geworden. Sollte der Westen ihm eine Chance verweigern? Sollte er solch eine Chance wirklich nur jenen Militanten einräumen, die mit Waffengewalt an die Macht wollen?

Die britischen Konservativen wollen im November – vielleicht damit schon zu spät – die Sanktionen auslaufen lassen. Amerika wird wohl folgen. Großbritannien wird auch die diplomatische Anerkennung des neuen Regimes aussprechen; im US-Kongreß gibt es ähnliche Überlegungen. Das bliebe nicht ohne Rückwirkung auf Schwarzafrika und die Dritte Welt. Vermutlich würde es auch den letzten Hoffnungsfunken zum Erlöschen bringen, doch noch die Guerrillas der „Patriotischen Front“ an den Verhandlungstisch zu bringen. Auf jeden Fall ändert sich das außenpolitische Umfeld des Rhodesienproblems. Vy.