Nach Abschluß des Tokioter Weltwirtschaftsgipfels besuchte der amerikanische Präsident Carter Südkorea. Wichtigstes Ergebnis des Besuchs war die Einladung an Nordkorea zu Dreiergesprächen über die Zukunft des geteilten Landes.

Das Verhältnis zwischen Washington und Seoul ist nicht frei von Spannungen. Nicht zuletzt wegen eines Bestechungsskandals, der in Washington als „Koreagate“ Schlagzeilen machte, sind die Beziehungen seit längerem getrübt. Die Koreaner hatten versucht, amerikanische Kongreßabgeordnete über einen millionenschweren Mittelsmann in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Andererseits ist das Mißtrauen in Seoul wegen vermeintlich nachlassender amerikanischer Verteidigungsanstrengungen nicht ausgeräumt. Der amerikanische Präsident hatte schon 1977 einen restlosen Rückzug der US-Bodentruppen aus Korea verfügt. Er sollte stufenweise über mehrere Jahre hinweg erfolgen, ist aber wegen der Aufrüstung in Nordkorea vorübergehend zurückgestellt worden. Präsident Carter hat sich bisher aber geweigert, diesen Plan ganz aufzugeben.

Ein wichtiges Gesprächsthema Carters mit dem südkoreanischen Präsidenten Park war die Beschneidung der Menschenrechte und bürgerlichen Freiheiten in Südkorea. Carter hat mehrfach unterstrichen, daß er eine Lockerung des autoritären Regimes wünscht. Während seines Aufenthaltes traf er wiederholt mit führenden Oppositionspolitikern zusammen. Eine Begegnung mit dem innenpolitischen Hauptwidersacher Parks, Kim Dae Jung, war jedoch nicht vorgesehen und kam auf amerikanischen Wunsch auch nicht zustande.

Das für Ostasien wichtigste Ergebnis des zweitägigen Besuch; war das amerikanisch-südkoreanische Angebot einer Dreierkonferenz an Nordkorea. Politische Beobachter in Seoul glauben nicht, daß Nordkorea diesen Vorschlag unkommentiert lassen, kann, zumal die Sowjetunion und China von dieser Initiative der beiden Staatschefs vorab unterrichtet worden waren. Seit März 1974 hatte sich Nordkorea selbst verschiedentlich um einen Dialog mit Washington bemüht, um die Waffenstillstandsregelung durch einen Friedensvertrag zu ersetzen. Die amerikanische Unterschrift unter einem derartigen Vertrag wäre für Pjöngjang ein außenpolitischer Erfolg ersten Ranges.

Andererseits hat Nordkorea zu Beginn dieses Jahres Gesprächsofferten aus Seoul abgelehnt und erklärt, es wolle nicht mit der Regierung Park, sondern mit den Delegierten eines noch zu gründenden Nationalkongresses verhandeln, in dem alle Schichten der südkoreanischen Bevölkerung vertreten sein müßten. Diese Absicht schien der südkoreanischen Regierung eindeutig: Pjöngjang wolle, so sagte man in Seoul, die Autorität des Park-Regimes untergraben und „in umstürzlerischer und agitatorischer Absicht direkten Kontakt zu Dissidenten, Unzufriedenen und Naiv-Arglosen finden“.

Kürzlich, bei einem Bankett zu Ehren einer Delegation aus Sri Lanka, deutete der nordkoreanische Außenminister Ho Dam in der Frage der Verhandlungsbeteiligung der südkoreanischen Regierung allerdings größere Beweglichkeit an. Man könne erwägen, so zitierte ihn die japanische Presse, Südkorea hinzuzuziehen, wenn die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten „ein gewisses Stadium“ erreicht hätten und wenn die südkoreanische Regierung ihre ablehnende Haltung zur Wiedervereinigung aufgegeben habe. Auch Uno-Generalsekretär Kurt Waldheim, der Anfang Mai in Nordkorea war, glaubt dort Anzeichen für mehr Bewegungsspielraum gefunden zu haben. Konkrete Hinweise, daß Nordkorea bereit wäre, Südkorea bedingungslos und von Anbeginn der Gespräche als gleichberechtigten Verhandlungspartner zu akzeptieren, liegen indes noch nicht vor.