Köln: „Das heilige Bildnis – Skulpturen aus Thailand“

Ein Buddha-Bildnis anzufertigen oder dessen Anfertigung zu unterstützen, ist für Buddhisten einer der möglichen Wege, positive Voraussetzungen für eine Wiedergeburt zu schaffen. „Selbst wenn jemand ein Bildnis so klein wie ein Gerstenkorn anfertigt“, schrieb der chinesische Mönch I-ching im 7. Jahrhundert, sei „dadurch eine besondere Veranlassung für eine Wiedergeburt erreicht, die so grenzenlos wie die sieben Meere sein wird – und gute Belohnungen werden so lange währen wie die kommenden vier Geburten.“ Die meisten skulpturalen Bildnisse, die in den letzten 1500 Jahren in Thailand entstanden, sind dem Gedächtnis Buddhas geweiht. Sie dominieren auch in der vom Museum für Ostasiatische Kunst zusammengestellten und in der Kunsthalle präsentierten Ausstellung, die mit 71 Stücken aus den Nationalmuseen des Landes, buddhistischen Tempeln und der Sammlung des Königs einen geschlossenen Überblick über thailändische Skulptur gibt. Lebensgroße Kultfiguren und wenige Zentimeter kleine Objekte, Arbeiten in Sandstein und Bronze, Holz, Terrakotta und Stuck belegen eindrucksvoll die Entwicklung der neben der Architektur wichtigsten Kunstform Thailands. Die Auswahl beginnt mit Arbeiten aus dem 6. Jahrhundert und endet mit Beispielen aus dem frühen 19. Jahrhundert Denn (so der Thai-Wissenschaftler Piriya Krairiksh): „Mit der Annahme westlicher Ideen und Technologien um die Mitte des 19. Jahrhunderts starb die Inspiriertheit der traditionellen religiösen Kunst“. Die Bemühungen, sie neu zu beleben, kamen bislang über die Wiederherstellung der äußeren Erscheinungsformen kaum hinaus – was sich bereits in einer kleinen Buddha-Bronze aus dem späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert andeutet. Die Pracht der Materialien, technische Brillanz und perfekte Ausführung können „die geistige Leere dieses Bildnisses nicht verbergen“, wie im Katalog kritisch angemerkt wird. Die nicht allein ästhetisch weit kraftvolleren Zeugnisse früherer Epochen deuten auf Qualitäten, die über eine handwerkliche Meisterschaft weit hinausreichen, und lassen die den geweihten Objekten zugeschriebenen magischen und spirituellen Kräfte ahnen. Die ruhige, unspektakuläre Ausstellungsinszenierung gibt den einzelnen Stücken sehr viel Raum und damit auch dem Besucher eine Chance: sich konzentriert einlassen zu können auf die sakrale Skulptur, auf Haltungen und Gesten der dargestellten Figuren, die geistige Grundhaltungen sichtbar machen. Zum Beispiel Verehrung und Demut – Haltungen, die die Thais auch vor den religiösen Bildnissen einnehmen, vor Skulpturen, die von ihnen als lebendige Wesen betrachtet und entsprechend behandelt werden. Unter anderem mit Respekt (Kunsthalle bis 19. August, anschließend Staatliches Museum für Völkerkunde München; Roemer-Museum, Hildesheim; Linden-Museum, Stuttgart; Katalog 20 Mark).

Raimund Hoghe

München individuelle Strukturen“

Seitdem die Absprache und die Übereinkunft darüber, was als Malerei zu gelten habe, nicht mehr möglich ist, hat künstlerisches Tun, das sich unter Verzicht auf die alten Postulate weiterhin als eine Art von Malerei begreift, gewisse Schwierigkeiten, sich zu definieren. Die für den einzelnen Künstler verbindlichen Grundlagen seiner Arbeit sind mitunter am fertigen Werk nicht unmittelbar anschaulich und einsichtig zu machen, der Künstler braucht also eine zusätzliche Vermittlungsebene, die es dem Betrachter möglich macht, zu verstehen, daß das Ergebnis weder zufällig noch esoterisch ist Die „individuellen Strukturen“ der vier Künstler in der Ausstellung haben Bezugspunkte, die außerhalb des Werks liegen, aber den künstlerischen Prozeß bestimmen. Die Bedeutung der Shaped Canvases des Engländers Robin Beers erschließt sich erst durch das Vorwissen, daß zum Beispiel die Stellungen des Semaphors (des in der Schiffahrt zur Nachrichtenübermittlung benutzten Flaggenmastes) den Bildern zugrundeliegen: Der Titel „Blau“ verweist nicht auf die Farbe, sondern auf das Wort, wie es in dieser Signalsprache übermittelt wird – das Bild ist eine komplizierte Umsetzung der sprachlichen Mitteilung in Kunst. Peter Jung, der in Oberfranken geborene Österreicher, bedient sich der Eigenschaften von Thermochromen, von Farbpigmenten, die sich mit bestimmten Temperaturen verändern. Es ist nicht nötig, die chemische Formel zu kennen, man muß allerdings wissen, daß es ein von den äußeren Bedingungen abhängiger Vorgang ist, der zur Veränderung der Farbe und damit des Bildcharakters führt – man erlebt ein und dasselbe Werk in wechselnden Farbzuständen. Der soziale Kontext, Verständigung und Sprachlosigkeit, ist im Interventionsraum von Rainer Pfnür angesprochen: Nur wer sich bemerkbar macht, durch Pfeifen, Singen, Schreien, sieht etwas, das über Mikrophon aufgenommene Geräusch löst mittels eines Steuergeräts die Projektion von Bildern aus. Jean-Louis Vila geht aus von der traditionellen Vorstellung der Wand als einer mit Bildern auszuschmückenden Fläche, bedeckt aber den „Mal“-Grund nicht mit Darstellungen, sondern zeigt auf, daß der Hinweis auf flächenfüllende Komposition ausreicht, den Betrachter zu veranlassen, das Nichtvorhandene zu komplettieren. (Kunstverein bis zum 29. Juli, Katalog 12 Mark.)

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen