Von Eva Marie von Münch

Als vor zwei Jahren das neue Scheidungsrecht in Kraft trat, waren die Reaktionen darauf höchst unterschiedlich: Mehr Gerechtigkeit für geschiedene Frauen und mehr Fairneß im Scheidungsprozeß erhofften sich die einen, ein Prozeßchaos und die Ausbeutung der Männer durch eine lebenslange Unterhaltsknechtschaft befürchteten die anderen. Schön damals war klar, daß die praktischen Auswirkungen des neuen Gesetzes ganz wesentlich von den Richtern abhängen würden.

Weit häufiger als andere Gesetze enthält das neue Scheidungsrecht Härteklauseln und Billigkeitsvorschriften – Kompromisse der Parlamentarier, die sich in Sachfragen nicht einigen konnten.

Wann ist die Scheidung eine so „schwere Härte“, daß eine dreijährige Trennung als Scheidungsvoraussetzung nicht reicht?

Was soll man unter „sonstigen schwerwiegenden Gründen“ verstehen, die einen Unterhaltsanspruch nach der Scheidung rechtfertigen?

Was ist ein „anderer schwerwiegender Grund“, der einen an sich bestehenden Unterhaltsanspruch wegen „grober Unbilligkeit“ ausschließt?