• Nach dem Motto vom Staat als dem Reparaturbetrieb des Kapitalismus haben Sie jetzt wieder einmal einem zusammengebrochenen Unternehmen auf Staatskosten – wenigstens vorläufig – aus der Patsche geholfen. Die Herrenkleiderwerke Odermark erhalten von Niedersachsen eine Landesbürgschaft von sieben Millionen Mark. Wie rechtfertigen Sie das gegenüber dem Steuerzahler?

Breuel: Ich würde sagen, der Staat betätigt sich nur als Reparaturbetrieb des Kapitalismus, wenn er das hundertprozentige Risiko übernimmt. Bei Odermark aber ist es eben anders. Insgesamt wurden zusätzliche Mittel von 13,3 Millionen Mark benötigt, wovon wir nur sieben Millionen Mark und davon nur achtzig Prozent, also 5,6 Millionen Mark übernommen haben, während das übrige von Banken, Eignern und Lieferanten finanziert wird. Und das ist auch die konkrete Antwort auf Ihre Frage: Das heißt nämlich, daß diese drei Gruppen eine Chance sehen, das Unternehmen weiterzuführen, weil sie sonst ihr Geld dort nicht hineinstecken würden. Darum haben auch wir uns bereit gefunden, dem Unternehmen zu helfen, das eine vernünftige Auftragslage hat, wenn es auch in einem ungeheuer schwierigen Markt operiert.

  • Waren die gefährdeten 1600 Arbeitsplätze für Sie das vorrangige Argument, um Hilfsgelder lockerzumachen?

Breuel: Sicherlich spielen Arbeitsplätze eine ganz große Rolle, aber ich glaube, das darf nicht dazu führen, daß der Staat sich unter dem Gesichtspunkt Arbeitsplätze erpressen läßt. Er kann nämlich nur kurzfristig helfen, langfristig müssen sich die Unternehmen selber helfen.

  • Sie sagen, daß die Auftragslage bei Odermark gut ist und daß andere Beteiligte an der Sanierung von Odermark mitmachen, der Staat sozusagen nur im Hintergrund dabei ist, noch ein bißchen was dazu gibt und deswegen auch nicht ins volle Risiko einsteigt. Wenn also die Zukunftsaussichten von Odermark so gut sind, bedurfte es dann überhaupt staatlicher Hilfe?

Breuel: Ich habe nicht gesagt, daß die Zukunftsaussichten so gut sind, ich habe gesagt, daß dies Unternehmen in einem schwierigen Markt arbeitet. Um das Problem klarer zu machen, muß man natürlich die Vorgeschichte kennen. Die ist so gewesen, daß der alte Odermark-Eigentümer, die Götz-Gruppe, Ende des letzten Jahres fast 73 Prozent seiner Anteile abgegeben hat an einen neuen Eigner, mit der Auflage, bei Odermark neue Mittel zu investieren und das Kapital aufzustocken. Dieses ist jedoch nicht erfolgt, dennoch hat das Unternehmen weitergearbeitet. Und um diesem Unternehmen nun eine Chance zu geben, die vorhandenen Aufträge auszufühlen und weitere hereinzuholen, haben wir geholfen.

  • Die Laufzeit der jetzt von Ihnen gewährten Bürgschaft soll nur bis Ende Oktober reichen. Warum diese kurze Frist?