Achtprozentige Anleihen kommen beim Sparer gut an. Doch noch steht die Zinsstabilität auf schwachen Füßen

In der kommenden Woche steht der Zentralbankrat vor einer schweren Aufgabe, In seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause muß er ein neues Stabilitätssignal setzen, will er nicht seinen Präsidenten Otmar Emminger „im Regen stehenlassen“, eine Zwangslage, in die dieser den Zentralbankrat durch seine Alarmrede anläßlich eines „Bankenabends“ in München Ende Juni gebracht hat. Er beklagte darin das Tempo der Kreditausweitung sowie die Tatsache, daß das inländische Geldvolumen stärker gestiegen ist, als es dem Geldmengenziel der Bundesbank entspricht. Emmingers Rede wurde in Bankkreisen als Ankündigung einer Diskont- und Mindestreservenerhöhung verstanden.

Ob dies der richtige Weg ist, die inflationären Folgen der zweifellos zu hohen Geldvolumenausweitung zu mildern, steht allerdings auf einem anderen Blatt, zumal steigende Zinsen die Gefahr gefährlicher Geldzuflüsse aus dem Ausland vergrößern. Dies besonders in einer Situation, in der die Spekulation auf eine irgendwie geartete Aufwertung der Mark wieder in Gang gekommen ist.

Der Zentralbankrat sollte deshalb den „großen Knüppel“, den Emminger in München so drohend geschwungen hat, nicht benutzen, sondern an seiner bisherigen vorsichtigen, wenn auch in seiner Wirkung nicht sehr erfolgreichen Bremspolitik festhalten. Denn schließlich vermag heute noch niemand zu sagen, welche Spuren jene fünfzehn Milliarden Mark hinterlassen werden, die der Bundesrepublik durch die Förderländer über die diesjährigen Ölpreissteigerungen abgenommen werden. Für einen großen Teil deutscher Familien kommt dies einer Steuererhöhung um mindestens hundert Mark monatlich gleich, ein Betrag, der nicht nur die Sparfähigkeit, sondern auch die Konsumbereitschaft in Mitleidenschaft ziehen muß. Die Ölscheichs bremsen unsere Konjunktur schärfer, als wir es wahrhaben wollen und die Bundesbank zu tun vermag.

Ein übriges besorgt die seit März vergangenen Jahres eingetretene Zinssteigerung von 5,5 auf acht Prozent. Das Ende des Bau-Booms ist bereits in Sicht, spätestens im nächsten Jahr sind die letzten öffentlichen Förderungsmittel verbraucht. Die Nachfrage nach privaten Hypotheken ist bereits spürbar rückläufig. Selbst das Interesse für Konsumenten-Kredite ist – wenn man den Aussagen einiger Bankiers glauben darf – weniger drängend als noch vor einigen Monaten, obwohl hier die Kreditnehmer am wenigsten zinsempfindlich sind.

Was wir jetzt dringend brauchen, ist Ruhe an der Zinsfront. Am Anleihemarkt ist sie erreicht. Die letzten achtprozentigen Anleihen wurden gut aufgenommen. Zeichner waren nicht die großen institutionellen Gruppen, sondern erstmals auch die privaten Bankkunden, für die ein achtprozentiger Nominalzinssatz offenbar reizvoll genug ist. Das würde sich aber sofort wieder ändern, wenn sich der Kapitalmarktzins weiter nach oben in Bewegung setzen sollte. Für lange Zeit würde dann das Vertrauen der privaten Sparer erneut verspielt sein. Ohnehin beginnt er sich Gedanken darüber zu machen, inwieweit der Staat in Zukunft in der Lage sein wird, seinen Zins- und Tilgungsverpflichtungen überhaupt noch nachzukommen.

Mit dem Achtprozenter und der Bundesschatzbriefrendite von 7,84 Prozent (für Typ B) hat der Bund Zinsdaten gesetzt, mit denen er einige Zeit leben kann, zumal die Steuermehreinnahmen die Nettokreditaufnahmen verringern werden. Das Kreditgewerbe ist dabei, sein Zinsgefüge dem „öffentlichen Niveau“ anzupassen. Das heißt, die Kredit- und Einlagenzinsen werden heraufgesetzt, damit „den geäußerten Zielsetzungen der Bundesbank Rechnung tragend“, wie die Deutsche Bank genüßlich feststellt.