Frankfurt am Main

Wie der Zufall so spielt: Saßen doch bei dem Lufthansa-Flug London–Frankfurt, der am Samstag, dem 23. Juni neben anderen Passagieren auch Astrid Proll und fünf amtliche Begleiter beförderte, auch ein Fernseh-Kameramann und ein Photograph einer Illustrierten. Allein mit der Volksweisheit „Glück muß der Mensch haben“ ist es wohl nicht zu erklären, daß die Ankunft von Astrid Proll, die unter dem Verdacht steht, an Gewalttaten beteiligt gewesen zu sein, gefilmt und dem Fernsehpublikum vorgeführt werden konnte.

Zumindest hat das Bonner Innenministerium andere Vorstellungen darüber, wie mit Terroristen verfahren werden sollte, die zu erkennen gegeben hatten, sie suchten einen Weg zur Umkehr. Die kritischen Einwände der Bonner schließen das monströse hessische Polizeiaufgebot zum Empfang der Proü-Gruppe auf dem Rhein-Main-Flughafen mit ein: Offenbar sollte das bis an die Zähne bewaffnete Begrüßungskomitee die „besondere Gefährlichkeit“ von Astrid Proll beweisen.

Tatsache ist, daß sich der Bonner Innenminister Baum von der Behandlung des Falles Proll eine Signal Wirkung auf die Terrorszene erhoffte. Er- erklärte, wir müssen „Leuten, die sich im terroristischen Feld befunden haben, den Rückweg erleichtern, die noch Aktiven zur Umkehr auffordern und Personen, die auf dem Sprung in den Untergrund sind, von diesem Schritt zurückhalten“.

Daß diese Haltung keine reine Torheit ist, hatte sich erst kürzlich gezeigt, als sich zwei mutmaßliche Terroristen, nach denen seit Jahren gefahndet wurde, freiwillig in Karlsruhe stellten. Während hier die Richter die beiden bis Prozeßbeginn auf freien Fuß setzten, bleibt Astrid Proll in Frankfurt „wegen Fluchtgefahr“ in Haft.

Zuvor hatte der Bundesinnenminister noch laut darüber nachgedacht, daß man Astrid Proll ganz gewiß nicht das Strafverfahren, aber wohl doch den Vollzug des Haftbefehls ersparen könne. Genau an dieser Stelle hakte konsequent ein Dutzend engagierter Frauen ein (von der Psychoanalytikerin Margarethe Mitscherlich über die Theologin Uta Ranke-Heinemann bis zu der ehemaligen Leiterin der Frankfurter Frauenhaftanstalt Helga Einsele) und bot an, für Astrid Proll eine „soziale Bürgschaft“ zu leisten. Man sei bereit, ihr Lebensbedingungen zu schaffen, die es ihr ermöglichten, „sich in Freiheit allem Bevorstehenden zu stellen“.