Das Auffallende an diesem Band ist das Thema: Kann man sich eine Sammlung von Aufsätzen unter dem Titel „Weiße Literatur“ vorstellen? Daß der Anglist Eckhard Breitinger diese elf deutschen Aufsätze über englische, französische, kreolische Texte „Black Literature“ überschreibt, macht die Sache weder schöner noch wissenschaftlicher –

„Black Literature – Zur afrikanischen und afroamerikanischen Literatur“, herausgegeben von Eckhard Breitinger; Wilhelm Fink Verlag, München, 1979; 372 S., 36,– DM

Die Sache: literarische Werke von schwarzafrikanischen, schwarzamerikanischen und schwarz- oder braunkaribischen Autoren. Hautfarbe als Kriterium für eine Literatur? Ein rassistisches Buch also?

Früher wurden literarische Texte in die Literatur der Sprache, in der sie verfaßt waren, eingeordnet. Für das Englische ging das spätestens seit der Abspaltung der amerikanischen Literatur nicht mehr. Die Franzosen dagegen sehen in den Werken Senghors, Césaires, Sembene Ousmanes und Francis Bebeys immer noch französische „Überseeliteratur“.

Gegen dieses stillschweigende Einkassieren der Literaturen aus den Kolonien durch die Mutterländer wandte sich vor zwanzig Jahren der Schriftsteller und Übersetzer Janheinz Jahn mit seinem leidenschaftlich umstrittenen Buch „Muntu – Umrisse der neoafrikanischen Kultur“.

„Neoafrikanisch“ nannte Jahn jene Literatur aus Afrika, Amerika und den Antillen, die in europäischen Sprachen afrikanische Tradition mit afrikanischen Stilmitteln ausdrückt. Dunkelhäutige Autoren stehen zunächst – laut Jahn – unter dem „Verdacht“ der Neo-Afrikanität, über deren Vorhandensein eine genaue Werkanalyse entscheiden muß. So war etwa für Jahn der Amerikaner Richard Wright kein neoafrikanischer, sondern ein nordamerikanischer Autor schwarzer Hautfarbe. Breitinger kann – unter dem Titel „Black Literature“ – Kurt Ottens Aufsatz über Richard Wright ebenso gut bringen wie Heiner Bus’ Besprechung der Autobiographien, die an „Black Power“ und „Black Panther“ erinnern: Frederick Douglass, Eldridge Cleaver, James Baldwin.

Die karibische Literatur wird von Edward Brathwaite vertreten, dessen Lyrik Gordon Collier analysiert.