Tennis

Von Aloys Behler

Immer wieder (Ausnahmen bestätigen die Regel) sieht sich der deutsche Tennisfreund, der doch zu Hause im eigenen Klub so unnationalen das Racket schwingt, durch die nationalen Spitzenkräfte international nur mangelhaft vertreten. Das gilt in jedem Jahr besonders für das Turnier von Wimbledon. Bei den berühmten All England Championships, die nach einem ungeschriebenen Gesetz Weltmeisterschaften gleichgesetzt werden, kommt aus deutschen Landen selten ein As auf den Center Court.

Seit einem Dutzend Jahren wartet die deutsche Tennisgemeinde auf einen neuen Wilhelm Bungert. Die Erinnerung an Bungerts Einzug ins Wimbledon-Endspiel von 1967 (das er dann gegen den Australier John Newcombe verlor) wird inzwischen als nostalgisches Gemeingut gehütet. Seither hat es kein deutscher Spieler mehr auch nur annähernd so weit gebracht. Die derzeitige Nummer eins der deutschen Rangliste, Uli Pinner, hat sich erst gar nicht die Mühe gemacht, nach Wimbledon zu fahren. Pinner mag den Rasen von Wimbledon nicht.

In den sechziger Jahren, zu den Zeiten des erfolgreichen Teams Bungert/Kuhnke, hatte der Deutsche Tennisbund (DTB) etwa 200 000 bis 300 000 Mitglieder. Seither ist die Zahl rapide gestiegen auf über eine Million. Der DTB ist damit der mitgliederstärkste Tennisverband der Welt und – nach Fußball und Turnen – der drittgrößte deutsche Sportfachverband. Der kaum in der Breite hat sich in der Spitze jedoch kaum ausgewirkt. Deutsche Tennisasse stechen zwar gelegentlich (wie jüngst beim Nationen Pokal in Düsseldorf) Weltklasseleute aus – und dann ist die Freude groß. Doch um selbst in die Weltklasse hineinzuwachsen, braucht man mehr als die Fähigkeit, dann und wann angenehm, überraschen zu können.

An hochkarätigen Talenten ist kein Mangel, wie Erfolge in allen möglichen Jugendkonkurrenzen beweisen, Doch die meisten Talente men und gehen. Woran liegt es, daß aus der so stark verbreiterten Basis nicht auch eine stärkere Spitze wächst? Weshalb finden sich in den Setzlisten von Wimbledon wohl spanische, italienische, niederländische, britische, polnische, rumänische, tschechische Namen, aber schon lange kein deutscher mehr?