Wenn wir früher gesagt haben: „nicht vertrauenswürdig“, „nicht der Würde des Amtes entsprechend“, hat man uns ausgelacht und gesagt: „Diese zwitschernden Professorenaus idyllischen Kleinstädten.“ Hier hat es sich nun gezeigt, was es bedeutet, wenn die Würde-Verstöße sich summieren und in einem unerwarteten Augenblick monumental in Erscheinung treten.

Man darf Minister nicht allein danach auswählen, was sie im Alltag und in normalen Zeiten machen, sondern man muß immer wieder denken, daß plötzlich überraschende Ereignisse kommen und daß es da auf zweierlei ankommt: auf Führungsbegabung einerseits und auf persönliche Autorität andererseits. Denn in solchen ungewöhnlichen Situationen sind Maßnahmen notwendig, die der Bürger nicht vertreten kann, die er mißdeutet. Da läßt sich Anerkennung nur erreichen durch Autorität. Man weiß von einem Mann nach Jahren seiner Amtsführung: Er ist eine integre Autorität – also wird er es auch sein in dem Moment einer Krise.

So meine ich also: Wir sollten die Dinge nicht ad acta legen, sondern hier sollten wir schreiben, in unser Gedächtnis tief hineinschreiben: Wiedervorlage.

aus: DIE ZEIT Nr. 46/1962, nach der Spiegel-Affäre