Zwei märchenhafte Fabeleien von Janosch (dem Erfinder von Popov und Piezke, von Vogelscheuchenkonzerten, Josa und Jeromir) erschienen nun in einer Hörfassung, die mit musikalischer Raffinesse, sicherem Gespür für die literarische Vorlage und genauer Kenntnis kindlicher Rezeptionsbedürfnisse inszeniert worden ist. Die Geschichte des zwirbelbärtigen Herrn Wuzzel (bereits 1968 als Kinderbuch erschienen), der Kinder auf wundersame Weise in Traumparadiese schaffen kann, ist mit einer hervorragenden musikalischen Realisation in Klangbilder gebracht. Charlotte Niemann läßt diese Geschichte linear, im gelassenen Erzählerton vortragen. Sie verzichtet auf Mätzchen und die viel strapazierten Verwirr-Effekte vieler Plattenmacher, die mit bombastischen Geräuschkonserven und hektischen Einschüben krampfhaft „Spannung“ erzeugen wollen. Ulrich von Bock trifft haargenau Janoschs listigen Erzählton, der sich gern treuherzig stellt und gleichwohl schlitzohrig mit doppeltem Boden arbeitet.

Ein kleines Wunderwerk: die Karussell-Klimper-Musik von der Zigeunerwiese des Herrn Wurzel. Die Regisseurin entdeckte dafür ein hundertfünfzig Jahre altes mechanisches Klavier; gespielt wird es von Tulu, einer achtzigjährigen Künstlerin aus dem Bremischen.

Auf der B-Seite der Schallplatte: Janoschs freundliches Märchen von Josa, dem Köhlerkind, der mit seiner Zaubergeige Leute klein und groß hexen kann. Diese LP aus der Reihe „Junior“ der Deutschen Grammophon zählt zu den Glücksfällen gelungener Übertragung von Kinderliteratur aufs Medium Schallplatte.

Janosch: „Herr Wuzzel und sein Karussell und Der Josa mit der Zauberfiedel“. (Deutsche Grammophon Junior, 2546 036)

Ute Blaich