Von Heinz-Günter Kemmer

Daß die Unternehmer rücksichtslose Ausbeuter sind, haben sie in den siebziger Jahren erneut bewiesen: Die Ausnutzung der eingesetzten Energie wurde so verbessert, daß trotz steigender Produktion der Anteil am gesamten Energieverbrauch kräftig zurückging. Innerhalb der Europäischen Gemeinschaft stieg zwischen 1970 und 1977 die Industrieerzeugung um fünfzehn Prozent, während der Anteil am gesamten Energieverbrauch von 40,3 auf 35,8 Prozent zurückging. In der Bundesrepublik reduzierte die Industrie den Teil, den sie vom gesamten Energieverbrauch für sich in Anspruch nahm, sogar auf 35,2 Prozent.

Ernst Böke, Chef des Energiereferats beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Köln, fürchtet allerdings, daß damit die Industrie einen großen Teil ihres Pulvers bereits verschossen hat: „Die spektakulären Erfolge der Vergangenheit sind nicht zu wiederholen.“ Dabei macht der steile Anstieg der Energiepreise und drohende Knappheit eine Senkung des Verbrauchs nötiger denn je. Wie der BDI jetzt errechnet hat, werden allein die seit Anfang des Jahres von der Opec diktierten Preiserhöhungen für Rohöl die Bundesrepublik 15 Milliarden Mark kosten.

Auch eine Arbeitsgruppe der Universität Essen und das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität Köln, die im Auftrag des Bundesforschungsministeriums den Möglichkeiten der Energieeinsparung nachgingen, sehen kurzfristig keine großen Chancen für eine drastische Senkung des Energieeinsatzes. Sie haben ermittelt, daß der Anteil der Endenergie am Nettoproduktionswert ausgewählter Industriezweige von 1955 bis 1973 um 42 Prozent gesunken ist. Für die Zeit bis zur Jahrtausendwende rechnen sie aber nur noch mit einem Rückgang um weitere 21 Prozent. Die Energieeinsparung in der Industrie kommt also nur noch halb so schnell voran wie in der Vergangenheit.

Das liegt vor allem daran, daß es kaum noch einmal zu einer solchen „Generalüberholung“ des industriellen Produktionsarsenals kommen wird wie nach dem Kriege.

Wie spektakulär dieser Sprung in einzelnen Fällen war, zeigt die Entwicklung des Koksverbrauchs in der Stahlindustrie. Als 1957 die Bergbaukrise ausbrach, verbrauchten die Hochöfen zur Erzeugung einer Tonne Roheisen noch 938 Kilo Koks. Seither wurde der Koksverbrauch je Tonne Roheisen halbiert.

Dazu hat freilich auch ein vermehrter Einsatz anderer Energiearten beigetragen. Insgesamt jedoch haben die Hüttenwerke den Energieaufwand je Tonne Rohstahlerzeugung um 23 Prozent gesenkt. Noch wichtiger ist allerdings der Energieaufwand je Tonne Walzstahl, denn das ist das Verkaufsprodukt der Stahlindustrie.