Das Übel der Stammesrivalitäten stürzt Rhodesien und Uganda in neue Krisen

Von Gabriele Venzky

Angenehm waren ihm die Plakate sicher nicht, die ihm nach der Feierstunde in der vergangenen Woche entgegengehalten wurden. Aber peinlich zu berühren schienen sie ihn nicht. „Judas Ischariot von Zimbabwe“ stand da. Doch James Chikerema hält sich in keiner Weise für einen Verräter; im Gegenteil. Er glaubt, die Sache „seiner Leute“ gut vertreten zu haben, wie das die Pflicht eines rechten Afrikaners sei.

James Chikerema hatte soeben das erste Parlamentstreffen verlassen, in dem der erste schwarze Premier von Zimbabwe/Rhodesien, der Bischof Abel Muzorewa, seine „Regierung der Einheit“ vorgestellt hatte. Doch von Einheit kann keine Rede sein. Zu dem Zeitpunkt, in dem sie zumindest der Form nach die Macht übernehmen, sind Rhodesiens Schwarze uneins und zerstritten.

Zu dieser Entwicklung hat James Chikerema kräftig beigetragen. Er hat die Partei Muzorewas gespalten und versucht nun, ihm mit einer Gegenpartei das Wasser abzugraben. Dabei hat es nicht etwa Meinungsverschiedenheiten über den künftigen Kurs des Landes gegeben. Vielmehr fürchtete der Zezuru Chikerema, sein Stamm könnte bei der Ämterverteilung zu kurz kommen, nachdem der Bischof angefangen hatte, eifrig Kabinettsposten an Angehörige seines Stammes, die Manyika, zu verteilen.

In einem Moment, in dem das Land nichts so sehr braucht wie Einheit und Einigkeit, zersplittern sich die Schwarzen mit Stammesrivalitäten und Stammesgezänk. Daß Manyikas und Zezurus schließlich beide zum Mehrheitsstamm der Shona gehören, scheint unerheblich. Shona ist eben nicht gleich Shona. Sechs Hauptstämme und über 60 Untergruppen gibt es – ein unendliches Reservoir für Eifersüchteleien und künftige Machtkämpfe.

Machtkämpfe und Neid – dies Szenarium findet sich auch in dem anderen afrikanischen Staat, der an der Schwelle zu einer neuen Ära steht, in Uganda. Kaum ist die Schreckensherrschaft Amins, die 300 000 Menschen das Leben gekostet hat, beendet, da steht auch schon der Bürgerkrieg vor der Tür. Die Nationale Befreiungsarmee hat sich nach Stämmen aufgespalten, der erste Regierungschef Lule ist nach wenigen Tagen als „Diktator“ verjagt worden, weil er von 19 Kabinettsposten zehn seinem Baganda-Stamm zuschusterte. Seinem Nachfolger Binaisa brüllen täglich Tausende von Demonstranten ins Gesicht: „Tod ist besser als Sklaverei.“ Sie rufen zum Aufstand auf.