Sommerloch

Müde und zufrieden plumpst Bonn in das Sommerloch. Wehner, Bahr, Mischnick, Genscher – in Urlaub. Auch der Kanzler macht sich rar, zunächst in Norwegen, dann am Brahmsee. Und sogar die Union ist entschlossen, vorläufig den Kandidatenstreit zu vergessen. Die große Sitzung der Strategiekommission, ursprünglich auf zwei Tage angesetzt, ging nach vier Stunden in ein gemütliches Palaver über. Der Fraktionsvorsitzende Kohl hält zwar noch für 14 Tage die Stellung in Bonn, aber dann verschwindet, auch er im österreichischen Urlaubsdomizil.

Nicht im gleichen Boot

Das Schicksal der Vietnamflüchtlinge, spaltet die Eurokommunisten. Wenn das neue Europaparlament am kommenden Dienstag zusammentritt, kann der Konflikt sogar quer durch die kommunistische Fraktion verlaufen. Die KP Italiens hat angekündigt, in Straßburg zugunsten der boat people initiativ zu werden. Dagegen sprach das Politbüro-Mitglied der französischen KP, Juquin, von einer „skandalösen Kampagne“ gegen die vietnamesische Regierung. Ein Teil der Flüchtlinge habe „von der amerikanischen Okkupation und deren Korruption, Prostitution und Schwarzhandel? profitiert. Juquin forderte in L’Humanité die Gründung einer Kommission zur Überprüfung der schon in Frankreich aufgenommenen boat people. Das Asylrecht dürfte nicht durch „Folterer, Kriegsverbrecher und Faschisten“ mißbraucht werden. Hingegen hat KPI-Chef Berlinguer in einer parlamentarischen Anfrage „notwendige humanitäre Interventionen aller demokratischen Kräfte“ verlangt. Auch die belgische und die britische KP sprechen von „berechtigten Emotionen“ für die Flüchtlinge.

Frauen-Frust

Mit der Gleichberechtigung der Frau ist es nach wie vor nicht allzuweit her. Nach einer Umfrage, die die amerikanische Zeitschrift Atlas im Verein mit zwanzig großen Zeitungen in aller Welt durchführte, darunter auch DIE ZEIT, haben die Frauen das größte Maß an Gleichberechtigung im gesetzlichen Bereich erlangt. Doch in den Bereichen Ausbildungschancen, Stellung in der Gesellschaft und politischer Einfluß haben sie weit weniger aufgeholt. Schlußlicht ist der wirtschaftliche Bereich. Im Beruf sind Frauen nach wie vor am meisten benachteiligt.

Nicht von Strauß

In der letzten Ausgabe hat die ZEIT ein angebliches Zitat des CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß veröffentlicht: „Ein Volk, das diese wirtschaftlichen Leistungen erbracht hat, hat ein Recht darauf, von Auschwitz nichts, mehr hören zu wollen!“ (1969). Die CSU-Landesleitung teilt nun mit, daß Strauß dies weder wörtlich noch sinngemäß je geäußert habe. Das Zitat hat bereits im Dezember 1978 zu einer Auseinandersetzung mit dem Bayerischen Rundfunk geführt, in deren Folge die Redaktion widerrufen müßte. Die Quelle für dieses Zitat sind das „Schwarzbuch“ (1972) sowie das im Lamuv-Verlag erschienene Buch von Henrik M. Broder „Deutschland erwache“. Die CSU befindet sich mit dem Lamuv-Verlag wegen des Zitats seit Dezember in einem Rechtsstreit. Bisher haben Verlag und Autor eine authentische Quelle nicht nennen können.