Von Heinz Michaels

Auf der Hauptversammlung der Volkswagenwerk AG, die vergangene Woche im Berliner Kongreßzentrum stattfand, stand – außerhalb der Tagesordnuig – eine für die Aktionäre wie für die Gewerkschaften wichtige Frage zur Debatte: Darf und soll ein Gewerkschaftsvertreter die Aktionärsversammlung leiten? Statt des erkrankten Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Birnbaum hatte dessen Stellvertreter Eugen Loderer die Leitung der Versammlung übernommen.

Am Schluß der Veranstaltung stand es drei Zu zwei gegen Eugen Loderer. Doch der Vorsitzende der mächtigen IG Metall zeigte sich ungerührt; gelassen und objektiv, so wie er es zu Beginn angekündigt hatte, führte er die Hauptversammlung bis zum Ende. Wie allen Rednern dankte er auch seinen Kritikern „für ihr Engagement“.

Drei Diskussionsteilnehmer sprachen sich dagegen aus, daß ein Gewerkschaftsvertreter die Aktionärsversammlung leitet, zwei waren dafür.

„Viele unserer Kunden“, so trug der Vertreter der Deutschen Bank vor, „haben beanstandet, daß Herr Loderer diese Hauptversammlung leitet.“ Und vorsichtig mahnend erinnerte er Aufsichtsrat und Vorstand von VW daran, andere Gesellschaften hätten „sichergestellt, daß immer ein Kapitaleigner die Hauptversammlung leitet“.

Sehr moderat nannte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz den Vorgang „sehr ungewöhnlich“ – „meine Kritik richtet sich aber nicht gegen Herrn Loderer persönlich, sondern gegen die Anteilseigner“ –, prophezeite jedoch: „Sollte sich dieser Vorgang wiederholen, werden wir massiver widersprechen.“

Dagegen begrüßte es der Aktionärsvertreter Kurt Fiebich, enfant terrible auf vielen Hauptversammlungen, „ausdrücklich“, daß Loderer die Aufgabe übernommen habe. „Es wäre einer Diskriminierung gleichgekommen, wenn Loderer dafür nicht gut genug gewesen wäre.“ Schließlich habe auch der DGB-Vorsitzende Vetter schon eine Hauptversammlung geleitet „und seine Sache besser gemacht als der Aufsichtsratsvorsitzende“. Das war allerdings bei einem Unternehmen der Montanindustrie, wo die Mitbestimmung anders geregelt ist.