Vor einer Woche baten wir unsere Leser: Helft den Flüchtlingen. Marion Gräfin Dönhoff beschrieb das Flüchtlingsdrama in Indochina, erläuterte, warum die ZEIT – in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Senat und dem Deutschen Roten Kreuz – sich entschlossen hatte, 250 vietnamesiche Flüchtlinge nach Hamburg zu holen.

Schon heute können wir dankbar feststellen: Die Hilfsbereitschaft unserer Leser ist so beeindruckend wie der unbürokratische Einsatz der Partner, die unsere Aktion mittragen.

Der Stand der Sache: Am 28. Juli sind drei Rotkreuz-Mitarbeiter nach Kuala Lumpur in Malaysia abgeflogen. Seit dem 2. August arbeiten sie auf der Flüchtlingsinsel Pulau Bidong, wo sie – allein nach den Kriterien „dringendste Not“ und „Familienzusammenhalt“ – die Vertriebenen auswählen, die nach Hamburg wollen. Die zuständigen Hamburger Behörden und das Auswärtige Amt in Bonn, das Innenministerium, der Hamburger Senat und die Deutsche Botschaft in Kuala Lumpur bereiten unterdessen die unbürokratische Aufnahme in Hamburg für Mitte August vor. Die Menschen werden unter ärztlicher Begleitung in je einer Maschine der Luftwaffe und der Lufthansa fliegen; in beiden Fällen wurden Sonderpreise gewährt, die sogar günstiger sind, als die Tarife der internationalen Flüchtlingshilfeorganisation ICEM.

Das Maß der Hilfe: Ein Ziel unserer Aktion ist erreicht: Sie wirkt als Initialzündung; auf unsere Spendenkonten (siehe unten) flossen bis zum Dienstagabend schon 626 500 Mark; darüber hinaus erhielten wir ungezählte Hilfsangebote, von denen wir nun eine Auswahl veröffentlichen können – in der Hoffnung, daß auch sie als Anstoß wirken.

  • Baronin Nora Wolf aus Hamburg versteigert am Samstag um 11 Uhr auf dem Gerhart-Hauptmann-Platz einen Jeep und andere Wertgegenstände zugunsten der Aktion.
  • Die Kinder Carola Schwelien aus Dettenhausen und ihre Schwester spendeten ihr August-Taschengeld.
  • Die Hamburger Firma Böhling bietet zehn Arbeitsplätze.
  • Margarete Hippler schreibt aus Hettenheim, daß Arbeiter auf drei Tage Urlaub, Musiker auf eine Abendeinnahme zugunsten unserer Hilfsaktion verzichten.
  • Sepp Wallner, Bürgermeister in Frankenberg/Eder, will einigen vietnamesischen Familien Wohnungen, Arbeitsplätze und Eingliederungshilfen geben.
  • Eine ganze Reihe von Familien hat uns ihre Bereitschaft erklärt, Flüchtlingswaisen zu adoptieren. Sie freilich müssen wir verweisen an das Generalsekretariat des DRK, Abteilung 2, Referat 22, Friedrich-Ebert-Allee 71, Bonn 1.
  • Zum Schluß der Brief des Hamburger Industriellen Kurt A. Körber, der uns als erste Reaktion erreichte:

„Ich glaube wie Sie, daß gerade wir Deutschen uns in vorderster Front zur internationalen Hilfe aufgerufen fühlen sollten. Ich bin dankbar, mich jetzt Ihrer Aktion anschließen zu können. Die Hauni-Werke Körber & Co. KG sind bereit, in ihren Ausbildungsstätten insgesamt 60 geeignete Vietnamesen aufzunehmen und nach ihrer Ausbildung als Mitarbeiter fest einzustellen. Damit tunlichst noch mehr als 250 Flüchtlingen eine neue Heimat in Hamburg geboten werden kann, hat die Hauni-Stiftung dem von der ZEIT angegebenen Flüchtlingskonto einen Betrag in Höhe von 500 000 Mark überwiesen.

Deutsche Bank Hamburg

(BLZ 200 700 00)

Konto-Nummer: 133 330

Stichwort: Vietnam

SMH-Bank Hamburg

(BLZ 200 200 85)

Konto-Nummer: 431 989