Die Frage nach der Einstellung bewegt derzeit die öffentlich-rechtlichen Gemüter. In den Redaktionsstuben, vor allem in den Kamerawagen wird hitzig darüber diskutiert, ob die Sache mit dem Blickwinkel denn wirklich stimmt.

„Einstellung“ und „Blickwinkel“ – das ist in diesem Zusammenhang zwar auch politisch, aber zunächst einmal kameratechnisch gemeint. Kommt da doch ein Professor daher, Politologe auch noch, und behauptet, daß es gar nicht so sehr die Fernsehjournalisten (wie. die Professorin Noelle-Neumann in einer umstrittenen Studie einst behauptet hat), sondern die Fernseh-Kameraleute waren, die die Bundestagswahl 1976 beeinflußt hätten.

Im Fernsehen, so die These, hat die Optik mindestens ebensoviel Bedeutung wie das Wort. Und während sich Frau Noelle-Neumann mit dem (politischen) Wort beschäftigte, hat sich ihr junger Mainzer Kollege, der Publizistikprofessor Kepplinger, des (politischen) Bildes kritisch angenommen. Er kommt bei seinen Untersuchungen zu Schlüssen, die – weil akademisch formuliert – Hohn und Entrüstung der sogenannten Leute vom Fach ausgelöst haben.

Aber der Hohn ist vordergründig und die Entrüstung unglaubwürdig. Denn die Studie hat so unrecht nicht. Verblüffend nur, daß man erst jetzt auf die zuweilen schiefe Optik des Fernsehens stößt.

Was sind die Thesen des Medienwissenschaftlers Kepplinger? Er hat von seinen Mitarbeitern alle politischen Sendungen zwischen April und September im Wahljahr 1976 akribisch überprüfen lassen und dabei festgestellt, daß die beiden Kandidaten Kohl und Schmidt durchaus unterschiedlich auf den Bildschirm gerieten. Mit „negativen“ Einstellungen – also extrem von oben oder von unten, Vogel- oder Froschperspektive, wurde Kohl in dreizehn Prozent, Schmidt aber nur in sieben Prozent der untersuchten Beispiele eingefangen. Dem armen Kohl wurde das Gesicht zudem häufig von Mikrophonen abgedeckt, während des Kanzlers Antlitz markig und ungestört über die Fernsehröhre kam.

Nun hat der Professor noch 150 Kameraleute befragt und sich von ihnen ihre berufsspezifischen Erfahrungswerte bestätigen lassen. Danach ist die beste Einstellung immer die, bei der die Kamera sich in Augenhöhe dem Opfer nähert und es nicht zu fern („verloren“) oder zu nah („leer“) ablichtet.

Professor Kepplinger meint bei seinen Befragungen herausgefunden zu haben, daß etwa 70 Prozent der Kameraleute mit der SPD oder der FDP sympathisieren. Das mag stimmen oder nicht. Telebiss glaubt aus seinen Kenntnissen, daß es wohl eher stimmt.