Salvador: Einig gegen rechts

In dem zentralamerikanischen Zwergstaat El Salvador stehen die Weichen auf Bürgerkrieg. Am Montag begann eine „Woche der Einheit“, – Einheit der Linken gegen Militär und Regierung.

Es begann mit Schießereien zwischen Rebellen und Soldaten und einer Besetzung von 140 Farmen und Kirchen. Für Dienstag war ein „Marsch der Einheit“ auf die Hauptstadt San Salvador angesetzt. Das Motto war schon zehn Tage zuvor ausgegeben worden: „Das salvadorensuche Volk hat keine andere Alternative mehr als den bewaffneten Kampf, um die endgültige Befreiung zu erreichen.“

Anzeige

Alle Hoffnungen auf eine friedliche Lösung haben sich damit zerschlagen. Am 15. Oktober vorigen Jahres putschten jüngere Offiziere gegen den Generalspräsidenten Romero, um einen Reformkurs zu erzwingen. Die Junta – zwei Offiziere, drei Zivilisten – versprach vor allem Wahrung der Menschenrechte und eine Landreform, scheiterte aber an dem Widerstand der sogenannten „Vierzig Familien“, die sich von ihrem ersten Schock rasch erholten. Und sie scheiterte auch an der Opposition der Militärführung, die es zum Jahreswechsel kühl ablehnte, sich zur Demokratisierung zu erklären, geschweige denn zu bekennen. Sie griff statt dessen noch härter durch.

Daraufhin brachen Junta und Regierung auseinander. Nach tagelangen Verhandlungen ließen sich die (relativ weit links stehenden) Christdemokraten bewegen, Regierungsverantwortung zu übernehmen, aber auch ihnen verweigerten Militär und Oligarchie jede Konzession. Die Folge war eine Vereinigung aller Oppositionskräfte.

Unter den fünf, erstmals vereinigten Gruppen befinden sich drei Fraktionen mit jeweils einem „bewaffneten Arm“; zusammen stellen sie etwa 70 000 Untergrundkämpfer und aktive Sympathisanten. Sie auf der einen, Militär und rechte Banden plus Wirtschaft auf der anderen Seite – das ergibt genau jene nicaraguensische Konstellation, die mit dem Oktober-Putsch vermieden werden sollte. Morde und Gewalttaten auf meiden Seiten haben jede Verständigung unmöglich gemacht.

Eine schwache Hoffnung besteht noch: Die Kirche Salvadors hält sich noch neutral, offenkundig bereit zu vermitteln. Der erste Schritt müßte freilich von den Großgrundbesitzern getan werden – ein ernst zu nehmendes Angebot einer Agrarreform. Wenn die Vereinigungs-Gespräche der lange zerstrittenen Linken erst einmal abgeschlossen sind, kommt auch diese Geste zu spät. Horst Bieber

 
Service