An enzyklopädischen Darstellungen des Altertums herrscht nicht gerade Mangel. Die beiden umfangreichsten wurden hier schon vorgestellt, der „Kleine Pauly“ (DIE ZEIT 28. 5. 1976) und die „Real-Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft“ (DIE ZEIT 2. 2. 1979).

Neben ihnen haben noch manche andere wie ‚etwa das „Lexikon der Alten Welt“ des Artemis-Verlages und das „Tusculum-Lexikon“ von Heimeran ihren guten Platz – das „Oxford Classical Dictionary“ nicht zu vergessen. Bei solcher Fülle scheint es gewagt, wenn nun eine weitere derartige Unternehmung sich vorstellt –

Michael Avi Yonah und Israel Shatzman: „Illustrierte Enzyklopädie des Altertums“, aus dem Israelischen von Hermann Teiger: Athenäum Verlag, Königstein, 1975; 503 S., 58,– DM

Verständlicher wird der Ansatz, wenn man sieht, daß es sich um den Anfang einer auf fünf Bände geplanten Unternehmung handelt, die als „Illustrierte Enzyklopädie der abendländischen Kultur“ ein neues „Handbuch der Kulturgeschichte des Abendlandes“ bieten will und bereits bis zum Herbst 1980 fertig vorliegen soll.

Das Besondere des Projekts ist die Einbeziehung des bildlichen Bereichs in den verbalen.

So treten neben die über 2300 Stichwort-Artikel (vermehrt um die – leider nicht ins Alphabet eingearbeitete, sondern im Anhang separat gegebene – Liste von Namen und Begriffen, denen kein eigener Artikel gewidmet ist) über 500 Abbildungen, dazu Stammtafeln, Herrschertabellen, Bibliographien. Die vielen Farphotos sind von bemerkenswerter Qualität, der große Anteil der Luftaufnahmen mit ihrem besonderen Informationswert ist positiv zu vermerken.

Man mag monieren, daß bei den Bilderklärungen Größenangaben und Aufbewahrungsverweise fehlen; aber da nicht die engere Fachwelt, sondern mehr die anderen Disziplinen und das interessierte Publikum angesprochen sind, erscheint das anschauliche wie anregende Werk doch richtig dimensioniert.

Daß in den Literaturangaben zu den antiken Autoren die Übersetzungen ins Englische (Loeb) und Französische (Bude) dominieren, die deutschsprachigen (Heimeran, Artemis) dagegen vielfach fehlen, bleibt ein Manko. Aber, um mit Horaz zu sprechen: Wenn das meiste am Werke glänzt, nimmt man an geringen Makeln nicht Anstoß. Und „das meiste“ ist hier in der Tat eine glänzende, knappe aber konzise Kompilation unserer Kenntnisse vom abendländischen Altertum: Wort und Bild verbinden sich zu komprimierter Information. Bernhard Kytzler