ZDF, Sonntag, 10. Februar, 15.05 Uhr: „Harold Lloyd: Matrose wider Willen“, amerikanischer Spielfilm von 1921

Es bleibt also zu hoffen, daß das Fernsehen vermag, was das deutsche Kino offenbar nicht mehr leisten kann: die Rehabilitierung eines verkannten Filmkünstlers. Es wäre dem Mann zu wünschen, der sein ganzes Leben lang nichts mehr wollte, als von aller Welt geliebt zu werden.“

Mit diesen Sätzen endet Wolfram Tichys sorgfältiges, liebevoll gestaltetes Buch über einen der größten amerikanischen Filmkomiker (erschienen 1979 im Verlag C. J. Bucher): Harold Lloyd. Des Autors Hoffnung ist inzwischen in Erfüllung gegangen: Das ZDF widmet dem agilen Mann mit Hornbrille und Kreissäge eine üppige Retrospektive, die insgesamt 24 Filme umfaßt und noch bis zum Juni läuft. Viele Werke des allemal optimistischen Komikers, der wie kein anderer die Wertvorstellungen des amerikanischen Mittelstandes verkörperte, laufen in der ZDF-Reihe zum erstenmal bei uns, oft in mühsam rekonstruierten Originalfassungen.

Angesichts der zur Zeit laufenden Regisseurs-Reihen, die einander an einfallsloser Biederkeit zu übertreffen suchen (der brave Martin Ritt bei der ARD, der brave Sidney Lumet im ZDF), wirkt die Harold-Lloyd-Retrospektive wie ein Lichtblick in diesem Abgrund an Mittelmäßigkeit. Denn die Wiederbegegnung mit dem „Muster des fixen, unfertigen Amerikaners“ (Siegfried Kracauer) lohnt sich, nicht nur wegen der atemberaubenden Fassadenklettereien, die zum Markenzeichen des Stummfilm-Genies Harold Lloyd wurden. In seiner ausgefeilten Kunst, Lachen zu erzeugen „wurde er von wenigen nur erreicht und von niemandem je übertroffen“ (James Agee), auch wenn Chaplins Anarchismus und Keatons Melancholie auf heutige Betrachter vielleicht attraktiver wirken,

Der Lloyd-Experte Wolfram Tichy hält „Matrose wider Willen“ (A Sailor-Made Man), des Komikers ersten langen Spielfilm von 1921, nicht für ein Hauptwerk. Hier verwandelt sich der reiche Nichtstuer Harold in einen Draufgänger, um seine Mildred aus einem orientalischen Harem zu befreien. Besonders empfehlenswert in der verdienstvollen Reihe: „Nur nicht schwach werden!“ (April), „Der Sportstudent“ (Mai) und „Der Traumtänzer“ (Juni). HCB