Von Ulrich Schmidt

Ein schwäbisches Studenten-Paar hält es im Winter mit den Zugvögeln, und den deutschen Kaisern: Es zieht geradewegs nach Süden. In diesem Jahr nach Sizilien und zwar mit der Bahn, der günstigen Tarife wegen,

Da stehen sie nun in der abenddunklen Altstadt von Syrakus und bestaunen eine quadratische Grube, einen von Wohnhäusern und Straßenverkehr dicht umdrängten Platz, ausgefüllt von freigelegten Fundamenten und Säulenreihen. Es sind die Reste des Apollotempels, des frühesten Griechentempels in Sizilien. Ein verwirrendes Nebeneinander von Antike und Gegenwart, geisterhaft illuminiert vom matten Licht der Straßenlaternen,

Vor dreißig Stunden, sind die beiden noch daheim durch; den Schnee gestapft, nun umweht sie linde Luft, die von Afrika herüberkommt, und sie fühlen sich gar nicht weltverloren, sondern recht gut aufgehoben. Freundliche Leute haben sie auf der Straße als „Tedeschi“ erkannt, zu einem Espresso eingeladen und zu einem Nonnenkloster gelotst, wo sie nun für ganz wenig. Geld übernachten können, solange sie mögen.

Im Sommer würde dies alles nicht so gut laufen. Denn Syrakus gehört neben Taormina zu den Orten Siziliens, die am meisten von Youristen heimgesucht werden. Die Einheimischen machen dann lieber einen Bogen um die Fremden, und das Kloster ist wie die Hotels und Pensionen hoffnungslos überfüllt.

Januar und Februar aber sind die besucherschwächsten Monate (sogar Taormina verzeichnet nur je 5000 Übernachtungen). Da läßt es sich spazieren in Syrakus. Und photographieren. Allein wegen der ständig wechselnden Wolkenszene ist das ein geradezu aufregendes Vergnügen. Die malerisch vergammelten Barockfassaden der Patrizierhäuser mit ihren zierlichen Balkongittern kommen vor solchem Hintergrund am besten zur Geltung. Das sizilianische Januarwetter ist mit dem Wort „kurzweilig“ zu charakterisieren: Es ähnelt dem deutschen Aprilwetter.

Und dennoch gibtes gewisse Regeln. „Der Nordwind tut uns nichts“, sagt Vittorio Gallo, Leiter des Touristikbüros, „der wird von den Bergen bei Messina gebremst.“ Der Westwind sei harmlos, meint er, und der Schirokko aus Afrika schön warm. Unbeliebt sei nur der Ostwird, auch Grecale genannt, „denn dann regnet es, manchmal tropische heftig nur über Nacht, aber manchmal auch zwei, drei Tage lang“.