Wenn Energiesparen gefordert wird, endet die Diskussion meist beim Auto, Sparsamer sollten sie wenigstens sein, unsere fahrbaren Untersätze. Und oft gipfeln hitzige Debatten in dem Wunsch nach völliger Abschaffung des Autos; all unsere Probleme mit dem knapp und teuer gewordenen Öl lösen sich dann beinahe von selbst.

Dabei ist gerade das Auto das falsche Objekt, wenn kurzfristig und auch mittelfristig durchschlagende Erfolge in der Energiepolitik erreicht werden sollen, denn

  • ein Ersatz des Autos ist auf absehbare Zeit ohne schweren volkswirtschaftlichen Schaden überhaupt nicht möglich;
  • für Benzin und Diesel zum Antrieb von Personenwagen, Lastwagen und Omnibussen sind nur auf lange Sicht Alternativen denkbar;
  • mit rund zwanzig Prozent am Mineralölverbrauch ist der Straßenverkehr bei weitem nicht der größte Ölkonsument.

Die Auto-Kritiker übersehen zudem, daß die Entwicklung der letzten dreißig Jahre eine Infrastruktur geschaffen hat, die ohne das Auto nicht denkbar wäre und die nur mit dem Auto funktioniert: Die räumliche Trennung von Wohnen und Arbeiten, Siedlungen im Grünen mit zum Teil weiten Anfahrtwegen zu den industriellen Ballungszentren; Gütertransport auf der Straße, den die Bahn aus Kapazitätsgründen gar nicht übernehmen kann.

Die Autoindustrie hat deshalb einen Stellenwert, der einen Schnupfen in dieser Branche leicht zu einer Lungenentzündung für die ganze Volkswirtschaft werden lassen kann.

Man mag diese starke Position des Autos, der Autoindustrie und auch des Autobesitzers beklagen, kurzfristig ändern läßt sich die Abhängigkeit vom Auto damit nicht. Politische Entscheidungen aus der Vergangenheit wirken bis heute. Sie lassen sich nicht durch einen Federstrich, ein Gesetz oder ein Verbot korrigieren.

Der staatliche Rahmen ließ es zu, daß in der Bundesrepublik inzwischen fast 23 Millionen Personenwagen auf den Straßen rollen; er ließ es auch zu, daß die Käufer sich, selbst nach der ersten Energiekrise von 1973 schon bald wieder für größere Autos mit höherem Spritverbrauch entschieden.