Der staatliche Dirigismus in der Bonner Forschungspolitik, die zunehmend sich verzettelnde Zuschußpolitik von Forschungsminister Volker Hauff, wird von der Bonner CDU/CSU immer massiver beklagt, und das zu Recht. Sie fordert eine Abkehr von der direkten Projektförderung, dafür eine Hinwendung zur indirekten über Steuern und Abschreibung gen. Den Rest würden die Unternehmen und das freie Spiel der marktwirtschaftlichen Kräfte schon schaffen.

Predigt und Praxis sind jedoch zweierlei, wie die ansonsten in Sachen Marktwirtschaft resolute niedersächsische Wirtschaftsministerin Birgit Breuel beweist. Sie will jetzt im kleinen machen, was Hauff in Bonn in großem Stil tut, und mit staatlichen Zuschüssen Forschungsprojekte und Institutionen fördern. Sie will sogar neue gründen, die, wie hinreichend bekannt, zu Dauerkostgängern des Staates werden, wenn sie erst einmal geschaffen sind.

Rund 100 Millionen Mark sind bis 1983 vorgesehen. Eines der neu geplanten Institute soll sich der Fernwärme-Technologie widmen, für die Bonn ohnedies schon viele Millionen ausgibt. Weiter will Birgit Breuel ein „Institut für Kautschuktechnologie“ gründen, weil auf diesem Gebiet zu wenig geforscht werde.

Breuels Kautschuk-Idee hat einige pikante Aspekte: Das Institut wird von zwei Kautschukverbänden und drei Industriefirmen ausdrücklich befürwortet, wobei man wissen muß, daß zwei der Befürworter auch noch personenidentisch sind, der „Wirtschaftsverband der Deutschen Kautschukindustrie“ und die Continental AG: Carl H. Hahn ist Conti- und Verbandschef zugleich. Und noch etwas: Conti, jahrelang mit roten Zahlen und verschlafenem Management (wie die erfolgreichen Konkurrenten beweisen) im Markt, hat in Bonn auch schon ganz schön abkassiert: 2,2 Millionen Mark für die Jahre 1977 bis 1981.

Eine weitere Kleinigkeit am Rande: Conti sitzt auch in Hannover ganz nah bei Birgit Breuel. So witzelt man in Bonn schon in Anspielung auf den Ernst-Albrecht-Förderer Bahlsen: In Hannover gibt es nicht nur Kekse, eben auch noch Gummi.

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