Unter italienischer Regie arbeitet ein ehemaliges Leyland-Werk wieder mit Gewinn

Die italienische Leyland-Produktion wird liquidiert: Diesen Beschluß faßte der staatliche englische Autokonzern Leyland auf einer außerordentlichen Hauptversammlung seiner Tochtergesellschaft Leyland Innocenti SpA in Mailand. Das war Ende 1975.

Das Werk, das jährlich 40 000 Minis in britischer Lizenz herstellte, hatte allein in den ersten acht Monaten jenes Jahres 84 Millionen Mark Verlust gebracht. Verhandlungen mit der römischen Regierung und den Gewerkschaften scheiterten. Die Manager der selbst verlustreichen Muttergesellschaft kamen zum Ergebnis, daß keine Sanierung mehr möglich war.

Sofort besetzten die Arbeiter das Werk. Erst nach 132 Tagen schlossen sie die Tore vor dem Mann auf, der ihnen nach eigenen Worten als „Superkapitalist“ wieder Arbeit bot: dem Italo-Argentinier Alessandro De Tomaso.

Heute, nur drei Jahre nach dem Neubeginn, kündigt Ex-Rennfahrer De Tomaso für seine „Nuova Innocenti“ einen Gewinn von „über drei Milliarden Lire“ (6,5 Millionen Mark) für das gerade abgelaufene Jahr und eine Verdoppelung für 1980 an. Der Spurt, der zu dem kleinen „Wunder von Mailand“ führte, hat alle Welt verblüfft – und am meisten die Konkurrenz.

Während gleichzeitig die ehemalige Muttergesellschaft in England ihre schwerste Krise durchmacht, und der Mailänder Autonachbar Alfa Romeo jährlich über 100 Millionen Mark Verlust einfährt, baut De Tomaso sein Werk immer weiter aus. Im letzten Jahr erreichte er mit 40 000 verkauften Wagen bereits wieder den Stand, den die alte Leyland Innocenti hatte. Allerdings braucht der neue Chef dafür nur ein Drittel der alten Belegschaft von 4500 Personen. Neben dem Autowerk baut De Tomaso eine Motorradfabrik, in der 700 Personen arbeiten werden.

Wie kam das Wunder zustande? „Ich bin Kapitalist und habe den Gewerkschaften von vornherein gesagt, daß ich verdienen und die Fabrik leiten will. Entweder das Werk produziert, oder es wird geschlossen“, erklärt De Tomaso. Aber abgesehen davon, daß unter seiner Führung bei Innocenti bisher weniger soziale Konflikte zum Ausbruch kamen als bei der Konkurrenz, mißt der neue Chef das Hauptverdienst an der günstigen Lage seines Unternehmens den Investitionen zu. Seine Fließbänder seien die modernsten in Europa. Damit könne er nächstes Jahr sogar die Produktion verdoppeln. Und die neue Motorradfabrik werde so gebaut, daß man innerhalb von vier Stunden die gesamte Produktion umstellen könne.