Von Gabriele Venzky

Zwei Wochen früher als geplant ist für Mittwoch dieser Woche der Ministerrat der „Organisation für Afrikanische Einheit“ (OAU) zu einer Sitzung nach Addis Abeba einberufen worden. Der Grund für das Dringlichkeitstreffen: Afrikas Frontstaaten fürchten, daß bei den Vorbereitungen für die Wahlen, die Zimbabwe die Unabhängigkeit bringen sollen, nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Die Afrikaner glauben, daß Großbritannien das Rhodesienabkommen unterläuft, um ein dem Westen angenehmes Wahlergebnis sicherzustellen. Mit allen Mitteln, so vermuten sie, soll der Marxist Robert Mugabe daran gehindert werden, nach den Wahlen die Macht zu übernehmen.

Die Meldung, daß die Briten während der Londoner Rhodesienverhandlungen die Telephongespräche der afrikanischen Delegationen abhören und ihre Zimmer mit Wanzen spicken ließen – so berichtete zumindest die Sunday Times –, bestätigt den Argwohn der Afrikaner und bietet ihnen möglicherweise jetzt einen Grund, das ganze Abkommen doch noch platzen zu lassen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie es gern möchten.

Denn die Dinge laufen schlecht in Rhodesien, behaupten die Afrikaner. Auf ihr Betreiben hatte schon am vergangenen Wochenende der UN-Sicherheitsrat eine Resolution verabschiedet, die folgendes verlangte: den Abzug aller südafrikanischen Truppen aus Rhodesien, die Aufhebung des soeben vom britischen Gouverneur um sechs Monate verlängerten Ausnahmezustandes und damit Freilassung aller politischen Gefangenen und die Zurückführung der rhodesischen Sicherheitskräfte in die für sie vorgeschriebenen Stützpunkte.

Doch laufen die Dinge tatsächlich so schlecht in Rhodesien, wie von afrikanischer Seite unterstellt wird? Das Gegenteil ist der Fall. Alle Befürchtungen, nach denen der Waffenstillstand nicht halten und Mord und Totschlag an der Tagesordnung sein würden, haben sich als falsch erwiesen. Nach sieben Jahren Buschkrieg, der zuletzt 50 Menschenleben am Tag forderte, erlebt Rhodesien im Augenblick eine Periode relativen Friedens. Die Zahl der Toten ist auf 50 im Monat gesunken.

Natürlich kann sich das wieder ändern. Je näher die Wahlen rücken, die vom 27. bis 29. September stattfinden sollen, desto größer wird der Druck auf allen Seiten werden. Zur Explosion kann es immer noch kommen, auch zum Staatsstreich der weißen Minderheit. Viel wird von dem Geschick der Briten und ihres Gouverneurs Lord Soames abhängen, die sehr eindeutig die nichtmarxistischen Parteien, vor allem Nkomos „Patriotische Front“ bevorzugen. Der Gouverneur unternimmt auch wenig gegen die südafrikanischen Soldaten, die im Lande stehen – 300 nach britischen, 3000 nach Angaben Mugabes –, und gegen die rhodesischen Sicherheitskräfte, vor allem die schwarzen Hilfsmilizen. Mugabes Sorge, daß sie seinen Wahlkampf beeinträchtigen, ist sicherlich nicht grundlos.

Der allgemeine Wahlkampf ist erst jetzt richtig angelaufen, nachdem Mugabe, der zusammen mit Joshua Nkomo die Befreiungsbewegung „Patriotische Front“ führte, aus dem Exil in Mocambique nach Rhodesien zurückgekehrt ist. Zu seiner Begrüßung waren im Schwarzenviertel von Salisbury 200 000 begeisterte Menschen erschienen. Eine derartige Volksmenge hatte vor ihm noch nie jemand in Rhodesien auf die Beine gebracht. Robert Mugabe ist ein populärer Mann, wahrscheinlich der populärste Politiker, den die neun Parteien aufzubieten haben, die sich an den Wahlen beteiligen.