Amüsant

„Friendship“. Diese Gruppe von sechs Musikern um den Gitarristen Lee Ritenour geht jedem Jazzglaubensstreit aus dem Wege: Sie will Spaß am Musizieren haben und Spaß machen, und so verarbeitet sie alles, was ihr brauchbar erscheint. Ihr Jazz langt manchmal nach Rock ’n’ Roll, manchmal nach traditionellem Jazz, mal nach den Rhythmus- und Klangfarbenmustern, wie sie von E-Instrumentalisten bevorzugt werden, ganz von ferne auch nach dem Blues, und wer will, wird auch lateinamerikanische Spuren erkennen können. Die sechs machen eine eingängige, nicht besonders originelle, von künstlerischen Wagnissen niemals abgelenkte Gebrauchsjazzmusik, die in Wohnstuben wie in Tanzhallen Vergnügen machen wird. Sie spielen mit Temperament und Präzision. (Elektra/WEA ELK 52 185)

Manfred Sack

Epigonal

Pearl Harbor and the Explosions: „Pearl Harbor and the Explosions“. „Unser Sound ist modern“, behauptet emphatisch die Pseudonyme Pearl E. Gates (pearly gutes, eine clevere Anspielung auf Acid Rock-Zeiten und LSD-Songs à la „Pearly Queen“ von Trafic). Aber was die 22jährige Sängerin mit diesem neuen San Francisco-Quartett auf dem Debüt präsentiert, ist nur ein mit modischen Klängen aufpoliertes Pop-Museum aus 25 Jahren Rock-Geschichte und plündert unverfroren Ideen von Rock-Neutönern der siebziger Jahre von Roxy Music bis zu den Talking Heads. Von deren kompromißloser Experimentierfreudigkeit kann bei den Explosions keine Rede sein. „Shut Up And Dance“ (Songtitel) ist ihr Marschbefehl. Meint eine Pressemitteilung der amerikanischen Warner Brothers, daß die Musik dieser Band „ihren Sinn außerhalb der vorherrschenden Ethik von Punk-Nihilismus und hirnrissiger Tanzmusik findet–sie ist Unterhaltung, die nur erfordert, daß man sie genießt“. Gegen die Nur-Unterhaltung war vor noch nicht allzu langer Zeit der New Wave Rock angetreten. Mit dem eigenen Altern scheint er „weiser“, nämlich entschieden kommerzbewußter geworden zu sein (Warner Bros. WB 56796). Franz Schöler