Wer hoch oben eine Lawine losgetreten hat, muß nicht unbedingt schuld sein an der Katastrophe im Tal. Dies ist aber auch der einzige Trost, der dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg bleibt: Er konnte nicht ahnen, daß sein niedersächsischer Kollege Ernst Albrecht aus der Kündigung des Staatsvertrages über den Norddeutschen Rundfunk ein medienpolitisches Debakel machen würde. Nun ist es da. Die letzten Einigungsversuche über den Fortbestand des NDR als Dreiländeranstalt sind gescheitert.

Der Mann aus Hannover trägt dafür die überwiegende Verantwortung. Er beharrte bis zuletzt auf der Forderung nach einem selbständigen „Radio Niedersachsen“ und meinte sie dennoch nicht ernst. Er verlangte vom noch bestehenden NDR die Hergabe seiner UKW-Frequenzen für einen Privatfunk der niedersächsischen Zeitungsverleger oder für deren private Beteiligung am öffentlich-rechtlichen Sender.

Hamburgs Bürgermeister Hans-Ulrich Klose hatte sich diesen Forderungen unterwerfen, aber er hätte sie im Ernst nicht als Vergleichsangebot akzeptieren können. Sie liefen auf eine Kapitulation hinaus. Der Streit um Staatsnähe oder Staatsferne des Rundfunks spielte in diesem Zusammenhang nur noch eine marginale Rolle.

Wie die Dinge wirklich liegen, werden wir bald erfahren. Längst gibt es den Entwurf des Staatsvertrages über eine gemeinsame Rundfunkanstalt der Länder Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Er zielt auf die Fortsetzung des NDR ohne das sozialdemokratisch geführte Hamburg und wird demnächst unterschrieben. Darin ist von einem „Radio Niedersachsen“ mit keinem Wort mehr die Rede. Wozu auch, wenn man unter sich ist? Schade nur um den NDR. Von ihm dürfte kaum mehr übrigbleiben als der Name. H. Sch.