Krimis zählen selten zur hohen Literatur, aber sie werden massenhaft gelesen. Was sie an Meinung verbreiten, kann also nicht einfach ignoriert werden, schon gar nicht, wenn sie Euthanasiepropaganda enthalten.

Die Rede ist von einem Schmöker –

Hilda van Siller: „Ein fairer Prozeß“, Kriminalroman; Reihe „Rote Krimi“ 4635, Wilhelm Goldmann Verlag, München, 1979; 150 S., 3,80 DM.

Im Mittelpunkt des Krimis steht ein zehnjähriges, geistig behindertes Mädchen, dessen Eltern „den Tod ihres. Kindes als Erlösung empfinden“ (Klappentext). Die Zehnjährige ist ein schreiendes, spuckendes, gewalttätiges „Ungeheuer“, bösartig „wie ein tollwütiges Tier“. Da wäre es schon ein Segen, das Monster zu killen. Und das geschieht denn schließlich auch.

Dr. Christa Roebke, Pressesprecherin der Lebenshilfe für geistig Behinderte in Bonn, Mutter eines geistig behinderten Kindes, las das Buch und fand, es rufe zur Euthanasie auf. Sie schrieb dem Verlag.

Friedrich A. Hofschuster vom Lektorat antwortete: „...als ich Ihren Brief in die Hand bekam, gewann ich sofort den Eindruck, daß Sie ein Buch aus einem anderen Verlag gelesen haben.“ „Dennoch“ war er so gnädig, das beanstandete Buch sich einmal anzusehen. Hofschuster über Behinderten-Ungeheuer à la Goldmann: „Ich bin sicher, daß gerade Ihnen bei Ihrer Arbeit schon derartige Fälle begegnet sind.“

Dann kommt Hofschuster auf die hehren Prinzipien der „Roten Krimi“ zu sprechen: „Wir dürfen Ihnen versichern, daß jetzt und auch in Zukunft bei unserer Lektorsarbeit peinlich darauf geachtet wird, trotz der in unseren Büchern, geschilderten Verbrechen das humanitäre Prinzip hochzuhalten