Jojoba: Hoffnung für Landwirte in Trockengebieten – und für Freunde der Pottwale

Von Günter Haaf

Der erste große Regensturm des Winters verrauscht an den hohen Bergketten, die das südliche Ende des kalifornischen Längstals zur Sackgasse machen. Bakersfield, die Stadt inmitten dieses gewöhnlich künstlich bewässerten Garten Edens, bietet sich mir weder staubig noch heiß dar – ganz anders als den armen Teufeln, die vor 45 Jahren auf der Flucht vor den Staubstürmen des amerikanischen Mittelwestens hierher ins vermeintliche Paradies flohen: Sie ernteten nur, wie John Steinbeck schrieb, die „Früchte des Zorns“.

Früchte, die zumindest teilweise dem Zorn entsprungen sind, will auch Gordon Fisher ernten. Der kräftige Kalifornier mit dem dunklen Schnauzer zeigt mir, wo: „Dort, am Fuß der Berge, liegen unsere Felder.“ Er chauffiert seinen Jeep vom naßglänzenden Highway herunter auf eine Nebenstraße und dann auf einen sandigen Weg. Hinter einer Orangenplantage, am Rand des mit dürrem Gras bestandenen Berghangs, biegen wir rechts ab in einen feuchten Acker. Hier wachsen seit gut zwei Jahren die ersten von Fishers Früchten heran: unscheinbare buschigstruppige Pflänzchen mit kleinen, graugrünen und fleischigen Blättern, zu Tausenden in halbkilometerlangen, gut dreieinhalb Meter weit auseinanderliegenden Zeilen aufgereiht.

Was sich mir da so langweilig wie ein niedersächsischer Kartoffelacker nach einem Landregen präsentiert, ist eine botanische Kuriosität und (noch) eine landwirtschaftliche Seltenheit: eilte Jojoba-Pflanzung. „Ho-Ho-bah“, verbessert Gordon Fisher meine Aussprache in amerikanisch eingefärbtem Spanisch. Er muß es wissen. Als Präsident der „American Jojoba Industries“ steht er einem Unternehmen vor, das gemeinsam mit einigen Konkurrenten eine ungewöhnliche agronomische Pionierleistung vollbringt – den Anbau einer neuen Nutzpflanze: Jojoba liefert ein hochwertiges Öl, das auch nach 25jähriger Lagerzeit nicht ranzig wird und das als Grundstoff für eine breite Palette von Produkten vom Lippenstift bis zum Schmieröl dienen kann. Schon heute shampoonieren sich mexikanische Männer mit jojobahaltigen Haarmitteln, legen sich Hollywood-Schönheiten ihr jojobahaltiges Make-up auf, schmieren amerikanische Autofahrer die Motoren ihrer Straßenkreuzer mit jojobahaltigern Motoröl.

„Flüssiges Gold“ aus kleinen Nüssen

Bis vor wenigen Jahren war Jojoba ein wild in den Wüsten Mexikos, Arizonas und Kaliforniens – und nur dort – wachsendes Gestrüpp, für das sich außer Taschenmäusen und indianischen Kräutersammlern nur wenige Botaniker interessierten. Heute hegen Forscher in allen fünf Kontinenten experimentelle Jojoba-Pflanzungen, investieren finanzkräftige Agrarfirmen – auch aus der Bundesrepublik – Millionensummen in rasch sich ausbreitende Plantagen, studieren Chemiker verschiedenster Branchen das Erntegut, das Thomas Miwa, ein leitender Wissenschaftler des US-Landwirtschaftsministeriums, „flüssiges Gold“ nennt: das goldfarbene, angenehm riechende Öl, das aus den kaffeebohnengroßen Nüssen der Jojoba-Pflanze gepreßt wird.