Große Worte bieten sich an: Die Propheten besangen den Sinai, durch den einmal das Volk der Juden gezogen war („Kehrt zurück zu den Tagen der Wüste“); die Dichter feierten die Einsamkeit in dieser Einöde („Hat der Himmel sich auf dich gesenkt, oder bist du zu ihm aufgestiegen?“); die Archäologen und die Armeegeneräle haben immer wieder mit ihm zu tun gehabt. Und er ist vor allem auch, unwiderstehlich, ein Photomodell: diese abgeschiedene, schwer zugängliche Landschaft aus Sand und Stein im ersten Morgenlicht oder in der Abenddämmerung; seine Reste an Geschichte, seine andauernde Vergangenheit in den Mauern des Katharinenklosters (527 von Kaiser Justinian am Fuße des Mosesberges gegründet, seit knapp zwei Monaten wieder in ägyptischer Hand).

Der religiös-historische Text in dem „Sinai“-Band, die kunstgeschichtlichen Exkurse in dem „Katharinen“-Buch vermitteln alles, was wissenswert und zur Erklärung der mannigfaltigen eigenartigen und auch einzigartige Schönheiten der Landschaft und der Ikonen notwendig ist. Nichts vermag freilich die Bildersprache selber zu übertreffen: die Farben leuchtender Bergwände oder des Jesusgesichtes, die Stille des hohen Himmels oder der Augen eines alten Mönchs. Schon die Photos in diesen beiden großformatigen Büchern nehmen gefangen von Welten, die wie von einem anderen Stern sind. Worte sind da nur Krücken, selbst die der Weisen. Annährend zumindest wird durch die Bilder verständlich, warum die nicht mehr von dieser Wüste loskommen, die einmal durch sie hindurchgegangen sind. (Kazuyoshi Nomachi: „Sinai. Land der Verheißung“; Texte von Fernando Vittorino Joannes und Nikos Kazantzakis; Reich Verlag, Luzern 1979; 127 S., 88 Photos, 68,– DM; – Galey, Forsyth, Weitzmann: „Sinai und das Katharinenkloster“; Belser Verlag, Stuttgart 1979; 192 S., 207 Photos, 78,– DM) D. St.