Traurig

„Alles in Handarbeit“ von Jerry Lewis ist ein Film voller Unsicherheit und Mißtrauen, sein erster Film seit acht Jahren, seit dem nie veröffentlichten „The Day the Clown Cried“. Die Gags bereiten sich so zögernd vor, daß man sie schon gesehen hat, bevor sie wirklich passieren; und wenn sie dann endlich passiert sind, dann kann Jerry sich nur schwer wieder von ihnen trennen, weil er weiß, daß er mit seinen Gags bis zum Ende des Films auskommen muß und zu fürchten scheint, daß der, den er jetzt zeigt, gerade der sein könnte, der ihm am Ende fehlt. Manchmal sieht es so aus, als sei er nicht sicher, ob der Gag auch wirklich gut ist. Dann wiederholt er ihn, leicht abgewandelt. Manchmal sieht es so aus, als sei er nicht sicher, ob das Publikum ihn wirklich verstanden hat. Dann wiederholt er ihn, leicht abgewandelt. Einen Witz über die Identität von Politik und Zirkus macht er sofort wieder: als Witz über die Identität von Präsident und Clown. Einen Gag mit einem Wecker wiederholt er kurz darauf mit einem Feuerzeug und dann noch mit einem Briefkasten: Dies alles bestimmt auch den Rhythmus des Films. Die sentimental-schöne Geschichte vom Clown, der gleich am Anfang seiner Karriere den Job verliert, weil der Zirkus pleite macht und der sich deshalb in bürgerlicheren Berufen quälen muß: an einer Stelle entlarvt sie sich. Als Bo Hooper (Jerry Lewis), der den Postbetrieb zum Erliegen brachte, geprüft wird, da besteht er diese Prüfung, ganz lässig und ohne Anstrengung. So erweist sich das Chaos, das er bisher angerichtet hatte, als Folge seines bloßen Übermuts, denn wenn der Clown ein Postbote sein will, dann kann er das auch. Wenn Jerry Lewis früher wollte, gerade dann konnte er ganz sicher nicht Früher.

Nobert Jochum

Dümmlich

„Leichen muß man feiern, wie sie fallen“ von Sergio Corbucci, einem der Väter des Italo-Western („Django“, „Leichen pflastern seinen Weg“), der hier seinem Bruder Bruno Corbucci Konkurrenz macht. Der ist ein Spezialist für Blödel-Burlesken, vorzugsweise mit den Grimassen-Komikern Franco Franchi und Ciccio Ingrassia. In „Giallo napolitano“ (Originaltitel) grimassieren Prominentere: Marcello Mastroianni, Michel Piccoli, Ornella Muti, Capucine, Peppino de Filippo. Unter den Vorspanntiteln liegen Bilder von Alfred Hitchcock und dem neapolitanischen Komiker Totò: ein Programm Denn Corbucci hat versucht, „der klassischen italienischen Komödie neue Impulse zu geben“ durch die Verbindung von Spannung und Slapstick. Gelungen ist ihm die Verbindung von konfuser Intrige und lärmender Lustigkeit. Ein Knockout für beide Genres.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

„Legacy – das Vermächtnis“ von Karen Arthur. „Apocalypse Now“ von Francis Coppola. „Die Frau, die weint“ von Jacques Doillon. „Movie Movie“ von Stanley Donen. „Das Ende des Regenbogens“ von Uwe Frießner. „Wer hat Tante Ruth angezündet?“ von Curtis Harrington. „Die Patriotin“ von Alexander Kluge. „Im Westen nichts Neues“ von Lewis Milestone. „Die Nacht mit Chandler“ von Hans Noever. „Bildnis einer Trinkerin“ von Ulrike Ottinger.