Seit beinahe 100 Tagen werden 50 US-Bürger in Teheran als Geiseln festgehalten. Ihr weiteres Schicksal ist noch immer ungewiß.

Nach einer Veröffentlichung des früheren Chefredakteurs der ägyptischen Tageszeitung Al Ahram, Mohammed Heikal, in der britischen Sunday Times soll US-Präsident Jimmy Carter mit einer Reihe von Zusicherungen an die iranische Führungsspitze den Boden für eine Freilassung der Geiseln bereitet haben. Heikal schrieb, in den letzten Tagen habe Carter mehrere Botschaften an den Ajatollah Chomeini und den neugewählten Präsidenten Bani-Sadr gesandt, in denen er deutlich mache, daß sich die Haltung der USA gegenüber dem Iran auf Grund der Entwicklung in Afghanistan verändert habe. Carter habe der iranischen Führung versichert, daß die Vereinigten Staaten die Integrität des Iran respektierten und daß die Sicherheit des Landes von größter Bedeutung für die Interessen des Westens sei.

Sofort nach einer Freilassung der Geiseln würden die USA Verhandlungen mit dem Iran über eine künftige wirtschaftliche und sicherheitspolitische Zusammenarbeit aufnehmen, einschließlich der wichtigen Frage der Lieferung militärischer Ersatzteile.

Die USA seien auch grundsätzlich bereit, der Einsetzung eines Tribunals über den gestürzten Schah zuzustimmen. Uneinigkeit herrsche lediglich über dessen Zusammensetzung. Die Iraner wünschten die Entsendung politischer Repräsentanten aus verschiedenen Nationen, während Uno-Generalsekretär Kurt Waldheim „unabhängige Persönlichkeiten“ vorzöge.

In einer Stellungnahme auf diesen Artikel forderte Ministerpräsident Bani-Sadr von den Vereinigten Staaten jedoch Zusätzliches: Erst wenn die USA Garantien dafür geben könnten, daß die iranischen Behörden den Ex-Schah gerichtlich verfolgen können sowie Zugang zu seinem Auslandsvermögen bekommen, könne die Lösung des Konflikts gefunden werden.

Demgegenüber hat der iranische Außenminister Sadegh Ghotbzadeh erneut unterstrichen, daß jede Lösung des Geiselproblems von den „mehrfach wiederholten vier Punkten“ abhänge: Der Schah müsse ausgeliefert, sein Vermögen zurückgegeben, eine internationale Untersuchungskommission eingesetzt und schließlich eine zustimmende Uno-Resolution zu dem Bericht dieser Kommission verabschiedet werden.

So lange diesen Forderungen nicht entsprochen werde, „ist die Freilassung der Geiseln entweder einzeln oder als Gesamtgruppe nicht möglich“, erklärte der Minister. Er fügte hinzu, daß während der vergangenen Wochen „gewisse Elemente den Amerikanern Versprechungen gemacht haben“, doch müßten die USA einsehen, daß solche „Versprechungen keinerlei Glaubwürdigkeit haben“.