Die Demoskopie hat mancherlei Veränderungen in der Stimmungslage seit der Invasion von Afghanistan registriert, allerdings haben sich die Werte für die wichtigen Politiker und die Parteien so gut wie überhaupt nicht verschoben. Sie sehen so aus, als ob es keine Krise gegeben hätte. Der Kanzler hat nach wie vor Spitzenzahlen, und der Abstand zu Strauß ist gleichbleibend groß. Die Union hat einen ganz leichten Anstieg auf knapp 47 Prozent, ist aber immer noch weit von ihren Glanzzeiten unter Kohl entfernt, als sie die 50-Prozent-Marke glatt übertraf. Die Koalition hält sich seit Wochen stabil.

*

Was die Krise angeht, so ist die Stimmungslage nach wie vor merkwürdig ambivalent. Wie schon frühere Umfragen zeigen, ist das Krisenbewußtsein und das Gefühl der Bedrohung stärker geworden, wenn auch vier von fünf Befragten noch nicht an eine Kriegsgefahr glauben. Aber vier von fünf Befragten (81 Prozent) sind dafür, die Verhandlungen mit dem Osten fortzusetzen.

Die These, daß die Opposition in Fragen der äußeren Sicherheit als die kompetentere Partei gilt und daß sich in einer außenpolitischen Krise die Chancen für Franz Josef Strauß verbesserten, scheint sich bisher nicht zu bestätigen. Bei der Frage, wer besser geeignet ist, den Frieden zu sichern, liegt die Koalition deutlich vor der Opposition (26:14) und Schmidt noch deutlicher vor Strauß (42 Prozent trauen diese Fähigkeit beiden zu, 41 Prozent nur Schmidt und 10 Prozent nur Strauß). Die Schwierigkeit für die Koalition: Wenn Sicherheitspolitik rein militärisch definiert wird oder als Abwehr des Kommunismus, schneidet die Opposition wesentlich besser ab.

Bei den Liberalen registriert man mit einiger Zufriedenheit, daß der Außenminister in den Mittelpunkt des Interesses gerückt ist. Und er hat diese Chance zweifellos gut genutzt. Ein Wahlkampfstratege seufzte denn auch sehnsüchtig: „Am schönsten wäre es, man könnte die Partei ruhigstellen und nur noch den Parteichef agieren lassen.“

*

Bonn ist ein besonders lohnendes Pflaster fürs Energiesparen: Die Bundeshauptstadt hat die größte Fahrzeugdichte von allen Großstädten der Bundesrepublik! ein Kraftfahrzeug auf 2,29 Einwohner. Von den rund 125 500 Fahrzeugen sind 4713 Diplomatenwagen; da nimmt sich der Bund mit seinen 618 Autos noch fast bescheiden aus.