Von Wolfgang Hoffmann

In der Öffentlichkeit sind sie kaum bekannt. In Fachkreisen freilich werden ihr Rat ebenso wie ihre Tat hoch geschätzt. Fast jede Firma, bei der es schmutzt, staubt, lärmt oder gar übel riecht, braucht sie – die Saubermänner der deutschen Industrie. Das sind jene Unternehmen, die Umweltschäden am Ende der Produktionsbänder wieder reparieren, gelegentlich aber auch schon die Produktionsanlagen so präparieren, daß die Umwelt weniger als früher belastet wird.

Der Aufstieg dieser Firmen begann, als die Industrie sich insgesamt auf einen Niedergang eingerichtet hatte, nämlich mit Beginn der sozialliberalen Koalition in Bonn. Damals begann der Staat, die Industrie in bisher nicht gewohnter Weise per Gesetz zu mehr Sauberkeit zu zwingen. Doch während die Bürger auf den von den Politikern versprochenen blauen Himmel über der Ruhr warteten, stöhnte die Industrie unter den drückenden Umweltlasten auf und erblickte am Horizont das Ende ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

Inzwischen hat der Umweltschutz für die Wirtschaft viel von seinem Schrecken verloren. Selbst Kritiker der staatlichen Umweltschutzpolitik bestreiten heute nicht mehr, daß damit auch ein positiver Beitrag zur Konjunktur geleistet wurde.

Umstritten ist nur noch, wie viele Arbeitsplätze dadurch wirklich geschaffen wurden. Während die Frankfurter Professoren Werner Meißner und Erich Hödl für die Jahre 1975 bis 1979 errechneten, daß durch Umweltschutzinvestitionen jährlich rund 370 000 neue Arbeitsplätze erhalten oder geschaffen würden, ermittelte das Ifo-Institut, daß in diesem Jahr insgesamt 250 000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz dem Umweltschutz verdanken.

Unumstritten ist aber immerhin, daß durch den Umweltschutz ein weitgehend neuer Markt und ein neuer Industriezweig entstanden sind, Im „Taschenbuch des öffentlichen Lebens“ aus dem Jahre 1969 sucht man das Stichwort „Umweltschutz“ noch vergeblich. Zehn Jahre später füllten einschlägige Adressen bereits sieben Seiten. Zudem hat die neue Branche auch längst ihre eigene Messe. Die ENVITEC ’80, die Mitte Februar in Düsseldorf ihre Tore öffnet, ist bereits die dritte Umwelt-Messe und wird neue Rekorde melden: 1973 wurde sie von 360 Ausstellern beschickt, 1977 kamen bereits 417 und in diesem Jahr sind 454 Aussteller gemeldet, die alle etwas zum Umweltschutz zu sagen oder zu zeigen haben.

Einer von ihnen ist F. G. W. Fuchs aus Mayen in der Eifel, der Mitte der sechziger Jahre den elterlichen Steinbruch endgültig verließ, um sich ganz seinen naturwissenschaftlichen Neigungen widmen zu können. Er entwickelte neue Methoden zur biologischen Abwasserklärung und wurde mit seinen patentierten Fuchs-Verfahren zu einem ebenso bekannten wie erfolgreichen Anbieter von biologischen Kläranlagen. Die Verteuerung der Energie verschaffte ihm inzwischen einen Wettbewerbsvorteil, um den ihn große wie kleine Konkurrenten gleichermaßen beneiden: Eine Kläranlage nach dem Fuchs-Verfahren spart ein Drittel bis zur Hälfte der Energie, die herkömmliche Anlagen verbrauchen.