Die ersten Jahre der Kindheit nannte er später eine „Wonnezeit voll holder Träume, reich behängt mit Bilderbüchern, Christbäumen, Mutterliebe, Osterwochen und Ostereiern, mit Blumen und Vögeln, Armeen aus Blei und Papier...“ Der frühe Tod des Vaters (als der Junge kaum sieben Jahre alt war) warf einen Schatten auf diese heitere Zeit: „Erinnerst du dich des Morgens, als sie dich hineinführten zu einem wohlbekannten Mann, dessen Gesicht so blaß geworden war, dessen Hand du weinend küßtest, weinend, ohne zu wissen, warum? Denn konntest du glauben, daß die harten Männer, die ihn in einen Schrank legten und mit schwarzen Tüchern zudeckten, konntest du glauben, daß sie ihn nicht mehr zurückbringen würden?“

Aber während sein älterer Bruder damals zum Großvater kam, blieb er mit seinen zwei jüngeren Schwestern bei der Mutter, wo ihm die Kindheitsidylle weiterhin erhalten blieb. Allerdings mußte er bald ziemlich viel büffeln. Die Mutter wollte, daß er später einmal Theologie studiere, um Seelsorger werden zu können und versorgt zu sein. Er lernte eifrig, las sehr viel, und er kam dann auf eine Klosterschule. Dort litt er unter der strengen Tageseinteilung, die den Zöglingen täglich nur zwei Stunden Freizeit ließ. Oft hatte er Heimweh. Und noch der Siebzehnjährige klagte einem Freund:

„Es dreht sich alles im alten Kreise, und ich komme mir vor wie ein Färbergaul, der im ewigen Kreislauf immer wieder an den oft betrachteten Gegenständen hingetrieben wird, ’s ist doch ein verflucht langweiliges Leben, das Klosterleben. Die langen Wintertage, Tag für Tag wird man um 5 bis 6 Uhr aus dem besten Schlaf aufgeschellt, muß schanzen bis 12 Uhr. Dann kommt schlechtes Essen. 1/2 Stündchen im schlechten Wetter auf den wenigen, oft besehenen Spaziergängen sich herumzutreiben, ist auch großes Vergnügen! Die übrige Rekreationszeit hat man Langeweile, dann geht das Schaffen wieder an bis 8 Uhr, um am Ende die langweiligste Erholung auf seiner Stube bei einer Pfeife Tabak der Verdauung zu pflegen. Ringsherum fades Geschwätz; zu lesen ist auch nichts da; da kommen oft Deine Briefe wieder aufs Tapet, und es bleibt mir am Ende nichts mehr, als an die seligen Vakanztage zu denken und am Ende – das Heimweh zu bekommen...“

Ein paar Jahre später jedoch dachte er sehr viel positiver über seine Schulzeit: „Jene Klostermauern waren das enge Nest, das uns aufzog, bis wir flügge waren, und ihrer rauhen Albluft danken wir es, daß wir nicht verweichlichten.“

Inzwischen hatte er eine Stelle als Hauslehrer angenommen. Was ihm da, aber auch zuvor, zugute kam und ihn überall beliebt machte, war sein erzählerisches Talent. Schon als kleiner Junge hatte er seinen Schwestern immer wieder Geschichten erzählt. Und jetzt bedurfte es nur noch einer mehr oder weniger zufälligen Aufforderung, seine Erzählungen schriftlich zu fixieren. Er tat’s, fand auch einen Verleger und hatte bald Erfolge, besonders nachdem er Redakteur und Herausgeber einer Zeitschrift geworden war.

Im Alter von 24 Jahren heiratete er und war glücklich. Einem Freund schrieb er: „Ich bin froh, daß ich um zweitausend Jahre nach Polykrates geboren bin und keinem Aberglauben mehr anheimfälle, sonst müßte mich mitten im Glück der furchtbar mahnende Gedanke traurig machen: ‚noch keinen sah ich glücklich enden, auf den mit immer vollen Händen die Götter ihre Gaben streun‘...“

Sein Glück sollte nur allzu kurz sein. Ein dreiviertel Jahr später wurde er krank, klagte über Magenbeschwerden und allgemeines Übelbefinden. Seine Freunde hielten das für Hypochondrie, und sie verargten es ihm, daß er sich ausgerechnet an jenem Tag ins Bett legte, an dem seine Frau ihr Töchterchen zur Welt brachte. Er freute sich noch darüber, aber dann stieg das Fieber, das als „Nervenfieber“ diagnostiziert wurde, also als Typhus abdominalis. Wenig später starb er, zehn Tage vor seinem 25. Geburtstag.

Wer war’s?