Eine ungewöhnliche Art von Abenteuerurlaub bietet die Universität von Kalifornien in Berkeley an. Laien können gegen eine Kostenbeteiligung an wissenschaftlichen Expeditionen in aller Welt teilnehmen.

Die Reiseveranstalter sind offen: Der Trip kann „langweilig und ermüdend“ sein, oder gar „schlicht in harte Arbeit“ ausarten – aber auch, „eines der lohnendsten, bereicherndsten und aufregendsten persönlichen Erlebnisse“ werden. Schuften, lernen oder freuen sollen sich kleine Gruppen (weniger als zwölf Personen) bei so ungewöhnlichen Vorhaben wie der Beobachtung des Liebesspiels von Grauwalen vor der Küste der mexikanischen Provinz Niederkalifornien, bei der Suche nach „Benzinbäumen“ in Kenia oder beim Studium von Pflanzen in den chilenischen Anden.

Ein solches Programm liest sich wie die Liste der Expeditionsvorhaben einer großen Universität – und genau das ist es auch, das wissenschaftlichen Laien zugängliche „Forschungsexpeditionsprogramm der Universität von Kalifornien“ in Berkeley bei San Francisco, kurz UREP genannt. Vor vier Jahren hatte die renommierte Universität erstmals Laien eingeladen, für zwei oder drei Wochen an der „Feldarbeit“ verschiedenster Forscher teilzunehmen. Die Idee entsprang der finanziellen Not vieler Forscher, die nicht genug Mittel für aufwendige Expeditionsreisen oder für die nötigen Hilfskräfte bewilligt bekamen: Warum nicht interessierten (und zahlungswilligen) Laien eine Chance geben, „Zusammen mit Forschern der Universität von Kalifornien auf Expeditionen in alle Welt zu gehen“ und dabei die „Informationen aus erster Hand zu sammeln, über die andere Leute nur lesen“ (so die offizielle Begründung des Programms).

Die neue Art von Abenteuerurlaub, wissenschaftlich abgesegnet, kam an. Nach dem Motto „Geist gegen Geld“ führten hochspezialisierte Forscher ihre Laiengrüppchen, in den hohen Norden Kanadas, um dort Polarlichter zu beobachten, in den Trubel des Karnevals von Rio, um vor Ort soziologische Studien durchzuführen, oder in die Fiebersümpfe Französisch-Guayanas, in denen erfolgreich nach den größten Blutegeln der Erde gestochert wurde (Robert Gillette beschrieb diese abenteuerliche Expedition im ZEITmagazin Nr. 47 und 48/1978).

Im Februar beginnt die diesjährige UREP-Saison mit der niederkalifornischen Wal-Beobachtung und einer „Studie der Kostüme, Musik und Tänze des Karnevals“ auf Trinidad. Spätere Fahrten, bei denen auch für interessierte bundesdeutsche Amateurforscher (oder Abenteuerreisende) noch Plätze frei sind, führen unter anderem viermal zu Vermessungsarbeiten ins ägyptische Tal der Könige, in den westkenianischen Kakamega-Wald (Beobachtung von drei Affenarten), in den Norden Thailands (Tempelkunst und Dichtung) und zur Bell? view-Plantage im US-Bundesstaat Virginia (Ausgrabungen),

Insgesamt 16 Expeditionen sind 1980 fest geplant und werden zu Preisen zwischen 575 und 1375 US-Dollar angeboten (ohne An- und Abreise per Flugzeug, aber mit Transport, Unterkunft, Verpflegung und allgemeinem Expeditionskosten Anteil). Für das nächste Jahr künden die UREP-Planer solche wissenschaftstouristischen Höhepunkte wie Meeresforschung in Französisch-Polynesien, die Ausgrabung einer Sklavensiedlung auf Jamaika oder das Studium „der Kunst, Architektur und Musik der traditionsreichen Sufi-Klöster“ in der Türkei an. Weitere Auskünfte gibt Jean Colvin, UREP, University of California, Berkeley, CA 94720, USA.

Günter Haaf