Im Kurhotel, wo das Meerwasser in ein großes Schwimmbecken geleitet und gemeinhin selbst im harten Winter auf 28 Grad erwärmt wird, war eine kleine Panne passiert: Das Thermometer zeigte 22 Grad und keinen Strich darüber.

„L’eau est tellement froide“, so klagte eine bibbernde Kinderstimme aus dem Wasser. „Trop! C’est trop! Moi, je fais volte-face; je te fausse compagnie!“

„Kommt gar nicht in Frage!“, sagte eine ältere Kinderstimme, die freilich schon hübsch schneidend klang. „Du bleibst! Verstanden?“

Während ich ins Wasser stieg – verdammt, war das kalt! –, bemerkte ich die beiden Schwimmerinnen: die eine, etwa acht Jahre alt, die raus wollte, raus aus dem Bassin, und die andere, gegen zwölf Lenze, die es verbot. Schwestern, offensichtlich. Und während die ältere sich an der Treppenleiter postierte, um der jüngeren den Fluchtweg zu verstellen, flehte diese: „Oh, chérie, laisse-moi passer! Un peu de gentillesse, je t’en prie. Je n’en peux plus!“

„Sei doch bloß nicht so affig, so wehleidig, du Jammersuse. Los! Etwas Bewegung, Mensch! Mach nich’ so’n Theater. Beweg dich, Dalli-dalli, dare-dare!“

Aber die Kleine, rührte sich nicht, sondern nannte ihre Schwester flehend: „Mon vieux, mon vieux“ und bat um Gehör und Gnade: „Ecoute, écoute!“

Da mischte ich mich ein und sagte so taktvoll wie eben möglich: „Das Wasser ist wirklich zu kalt.“