Von Margot Behrends

Die Forderung nach Qualitätskontrolle, bis vor kurzem ein Reizwort für Mediziner, scheint die Ärzteschaft zunehmend zu akzeptieren. Der anfänglichen Abwehr folgte die Erkenntnis, daß derartige Maßnahmen auf alle Fälle kommen werden: wenn nicht durch die Mediziner selbst, dann durch die Kassen oder den Staat.

Die umfangreichsten Erfahrungen, wie die Qualität ärztlichen Wirkens in bundesdeutschen Kliniken gesichert werden kann, sammelte inzwischen die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. An ihrer seit Beginn letzten Jahres laufenden zweiten Pilotstudie nehmen bereits 22 chirurgische Abteilungen mit mehr als 9000 Patienten teil. Die beteiligten Ärzte überprüfen dabei die Behandlungsergebnisse von sieben häufigen Krankheitsbildern: Leistenbruch, Blinddarmentzündung, Gallensteinleiden, Mastdarmkrebs, Oberschenkelhalsbruch, Unterschenkelfraktur sowie Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre.

Die Daten der Behandlungsmaßnahmen und -ergebnisse werden zentral erfaßt, in einem Computer gespeichert und von den, teilnehmenden Kliniken in etwa vierteljährlichen Abständen abgerufen – ein Weg, die Leistungen der einzelnen Abteilungen zu vergleichen. Dabei achtet die Chirurgen-Gesellschaft natürlich streng auf Freiwilligkeit und Anonymität. Schneidet eine Klinik schlecht ab, so kann sie die Hilfe einer Beraterkommission in Anspruch nehmen, die vor Ort nach Ursachen der unterdurchschnittlichen Ergebnisse sucht.

Einer der Väter der Bemühungen um die ärztliche Selbstkontrolle ist der Krefelder Professor Wolfgang Schega. Er sagte unlängst bei einem Seminar der Akademie für ärztliche Fortbildung in Frankfurt, es sei wünschenswert, wenn in Zukunft auch die erfahrungsgemäß gut informierten ärztlichen Haftpflichtversicherer und die mit Kunstfehlerproblemen befaßten Gutachter- und Schlichtungsstellen der Beraterkommission Hinweise auf „medizinische Schwachstellen in der Bundesrepublik geben könnten.

Schon die erste, weniger umfangreiche Studie hatte 1977 deutliche Leistungsunterschiede der teilnehmenden Kliniken erkennen lassen. Damals wie heute verfolgt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie das Ziel, die chirurgischen Abteilungen von der Notwendigkeit weiser Selbstbeschränkung zu überzeugen. Denn personelle, bauliche und apparative Voraussetzungen begrenzen die Leistungsfähigkeit dieser Abteilungen. Ein neutrales Fachgremium soll nun die einzelnen Chirurgen vor dem Prestigedruck bewahren, alles operieren zu können – und notfalls auch vor dem eigenen Ehrgeiz.

Gerade die fortschreitende Spezialisierung bedingt Qualitätsprobleme. Das Niveau der Unterabteilungen Kinderchirurgie, Gefäßchirurgie sowie Plastische und Wiederherstellungschirurgie sinkt in kleinen Kliniken mit weniger einschlägigen Fällen zwangsläufig ab. Dieses Leistungsgefälle läßt sich wohl nur durch eine regionale Umstrukturierung der Krankenhausversorgung mit einem Netz von Schwerpunktkliniken für die einzelnen Disziplinen beseitigen. So ist zwar die operative Versorgung frischer Knochenbrüche in vielen Fällen besser als eine Ruhigstellung mit Gipsverband, aber solche Maßnahmen sind meist nur in großen Häusern möglich. Nach Schenkelhalsbrüchen sterben beispielsweise nur noch elf Prozent der alten Menschen, denen Ärzte ein künstliches Gelenk einsetzen, aber 30 bis 40 Prozent jener alten Patienten, die auf herkömmliche Weise behandelt werden.