Dem poppigen Spargefährt war nur eine kurze Lebensdauer beschieden: Das 2-CV-Taxi eines Droschkenunternehmers in der Nähe von Frankfurt trat vor kurzem seine letzte Mietfahrt an. Was dem genügsamen und bequemen Taxi auf Dauer mangelte, waren die Fahrgäste für rentable Fuhren. Mit großen Hoffnungen im März 1977 in der Taunusgemeinde Kelkheim gestartet, verschied das Enten-Taxi zusammen mit dem gesamten Fuhrunternehmen.

Dabei ließ sich das Vorhaben, mit der billigen Ente neue Fahrgäste zu erreichen, recht aussichtsreich an. Weil das Gefährt im Unterhalt sparsam ist und einen günstigen Kaufpreis hat, fuhr es billig und rollte zu preiswerten Tarifen durch die Gegend. Allerdings – und dies erwies sich im Nachhinein als größtes Handicap für das Sparmobil aus Frankreich – nur außerhalb des geltenden Tarifgebietes. Denn wo zwischen den zuständigen Regierungspräsidenten und den Taxiunternehmern einmal die Preise für Kilometer und Wartezeiten ausgemacht und festgeschrieben sind, darf kein Unternehmer mehr ausscheren. Lediglich bei weiten Fahrten über die Tarifgrenze hinaus konnten Fahrgäste und Unternehmer den Preis per Pauschale frei aushandeln.

Viele Fahrgäste mißtrauten auch dem ungewohnten Taximobil und stiegen lieber in die komfortable Dieselkarosse gewohnter Bauart. Ausgerechnet jener Personenkreis mit schmalem Geldbeutel, Rentner und ältere Leute wurden von poppigen Polstern und vom Studentenimage des Sparautos abgeschreckt. Sie ließen sich lieber komfortabel chauffieren als sparsam kutschieren.

Zudem hatten die zuständigen Behörden das ungewöhnliche Droschkenfahrzeug von Anfang an mit scheelen Augen betrachtet. Vielerlei Auflagen mußten beachtet werden. So braucht der 2 CV zum Beispiel besondere Sicherheitsgurte. Wegen dieser Schwierigkeiten und der Macht der Gewohnheit neigen denn auch die Taxifahrer deutscher Großstädte selbst bei steigenden Dieselpreisen eher ihren altvertrauten Gefährten zu.

Dabei offeriert die Ente neben erklecklichem Fahrkomfort geringsten Benzindurst: Fünf Liter des immer kostbarer werdenden Treibstoffes reichen dem sich in Kurven sanft wiegenden Mobil bei vorsichtiger Behandlung des Gaspedals, und das auch im Stadtverkehr.

Fazit des mißlungenen Enten-Versuchs: Taxifahrer weichen auch bei stärker werdendem Kostendruck nicht von der Dieselspur.

Harald Farner