Zu einer dramatischen Konfrontation zwischen Sport und Politik kam es am Wochenende vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Lake Placid. Vor dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) attackierte Amerikas Außenminister Vance die Sowjetunion mit einer Schärfe, die in der olympischen Geschichte ohne Beispiele ist. IOC-Präsident Killanin hielt dem entgegen, seine Organisation sei nicht dazu da, politische Probleme Zu lösen. In seiner Rede, die bei den „Olympiern“ auf eisiges Schweigen stieß, sagte Vance unter anderem:

Lassen Sie uns klar über die grundlegende Aufgabe sein, der wir gegenüberstehen. Dies ist keine Frage, ob ein nationales Team von den Spielen aus politischen Gründen ausgeschlossen werden sollte. Wir heißen jede Mannschaft, die dieses Komitee zu diesen Winterspielen eingeladen hat, willkommen.

Die Frage, der wir jetzt gegenüberstehen, ist völlig anders. Es handelt sich darum, ob die Spiele in einem Land stattfinden sollen, das selbst einen schweren Bruch des internationalen Friedens verschuldet hat. Es ist unsere Überzeugung, dieses wäre völlig unvereinbar mit dem olympischen Gedanken.

Diese Entscheidung ist unmöglich von den politischen Konsequenzen zu trennen. Die Olympischen Spiele bei irgendeiner Nation abzuhalten, die gerade mit einer anderen Krieg führt, hieße, den olympischen Mantel über die Aktionen dieses Landes zu halten. Wir sehen, daß das Land, das als Gastgeber der Sommerspiele ausgewählt wurde, schon jetzt seine Ernennung als eine Anerkennung der „Richtigkeit seiner Auslandspolitik“ und seiner „enormen Verdienste ... im Kampf um den Frieden“ ansieht.

Es ist eine unausweichliche Tatsache, daß die Kämpfe der Nationen und Menschen um ihre Unabhängigkeit – den Frieden jetzt und in Zukunft zu bewahren – beeinträchtigt und herabgesetzt würden, wenn die Olympischen Spiele in einem Land stattfinden, dessen fortgesetzte Aggression von der überwältigenden Mehrheit der Generalversammlung der Vereinten Nationen verurteilt worden ist...

Hinaussehend über die Frage der Folgen dieser Entscheidung für den internationalen Frieden, sollten wir uns mit den Konsequenzen für die olympische Bewegung befassen. Die Vereinigten Staaten schätzen den Wert der Olympischen Spiele und ihrer Prinzipien hoch ein. Wir sind außerordentlich stolz auf unsere Athleten und die der anderen Nationen, die sich lange und hart vorbereitet haben. Wir wollen nicht, daß der olympischen Bewegung Schaden zugefügt wird. Aber wenn die Grundprinzipien der Olympischen Spiele ignoriert werden, ist die Zukunft der Spiele selbst in Gefahr. Überall in der Welt, unter den Regierungen und Völkern, gibt es eine breite und wachsende Opposition dagegen, die Spiele wie geplant durchzuführen, als sei nichts geschehen. Dieses zu tun, würde bedeuten, das breite öffentliche Interesse und die Unterstützung zu gefährden, auf denen die Zukunft der Spiele beruht.

Es wäre wünschenswert, die Spiele von Moskau in diesem Sommer an einen oder mehrere andere Orte zu verlegen. Bei der Durchführung gibt es sicherlich Schwierigkeiten, aber sie könnten überwunden werden. Es gibt bereits Präzedenzfälle für die Annullierung der Spiele. Es wäre auch möglich, die Spiele durch eine einfache Regeländerung um ein oder mehrere Jahre zu verschieben.