Wie Unternehmer

Einen besonderen Kommentar zum deutschfranzösischen Gipfel in der vergangenen Woche lieferte Chefredakteur Jean Boissonnat in der jüngsten Nummer des Wirtschaftsmagazins L’Expansion. Als Gast des abschließenden Mittagessens im Palais Beauharnais, der Residenz des deutschen Botschafters in Paris, konstatierte er: „Was am meisten beeindruckt, ist das Klima zwischen allen deutschen und französischen Ministern. Keine Spur von Diplomatie. Direkte, praktische Arbeitskontakte, wie sie zwischen den Abteilungschefs der gleichen Firma existieren. Frankreich und Deutschland eine Allianz? Nein, ein Unternehmen.“

Die CIA weiß mehr

Seit zwei Jahren versucht die Sunday Times den mysteriösen Mord ihres Auslandskorrespondenten David Holden im Dezember 1977 in Ägypten aufzuklären. In der Londoner Fleet Street, dem Pressezentrum der englischen Hauptstadt, wurden die spannendsten Geschichten gesponnen. War Holden ein Kurier zwischen Damaskus und Kairo? Gehörte er einem Geheimdienst an? Wurde er von palästinensischen Extremisten ermordet? Nun hat die Sunday Times beim Bundesgericht in New York eine Klage gegen den amerikanischen Geheimdienst eingereicht. Nach Ansicht des Blattes weiß die CIA mehr über den Mord, als sie zugibt.

Risse im Monument

Amerikas strahlender Kriegsheld, General Mac Arthur, steht nicht mehr ganz so sauber da wie zuvor. Zwar haben seine Verehrer schon so gut wie vergessen, daß er von Präsident Truman wegen Befehlsverweigerung im Korea-Krieg gefeuert wurde. Doch jüngst hat nun die Historikerin Carol Potillo herausgefunden, daß der General – bestechlich war. Die Versuchung trat an ihn heran, als die Japaner im Januar 1942 die philippinische Hauptinsel Luzon bombardierten, und Washington den General bat, den philippinischen Präsidenten Quezon zu evakuieren. MacArthur lehnte ab, wegen zu großer Gefahr. Bis es dann plötzlich doch ging: nachdem 500 000 Dollar aus dem philippinischen Staatsschatz auf MacArthurs Konto gelandet waren. Die Zahlungsanweisung wurde mit „Außerordentlichen Verdiensten“ gegenüber den Philippinen begründet.

Narren erobern Madrid

Vier Jahre nach Francos Tod hat sich Madrid ein kleines Stück Freiheit zurückerobert: Zum erstenmal seit über 40 Jahren feiert die Metropole wieder Karneval. Madrids volkstümlicher Bürgermeister Enrique Tierno Galvan läßt den närrischen Umzug mit 50 000 Mark subventionieren. Ein besonderer Brauch soll am Aschermittwoch wiederbelebt werden: Die Beisetzung einer Sardine, die seit jeher als Fisch der Armen gilt. Die Karnevalisten sind eingeladen, alles mitzubeerdigen, was sie bedrückt: Sie können während des Umzugs Rechnungen, alte Briefe und sogar Trauringe in den offenen Sardinen-Sarg werfen – eine Sitte, die vier Jahrzehnte lang verboten war. Franco hatte stets geargwöhnt, daß sich unter der Narrenkappe aufmüpfige Demokraten verbergen könnten.