Von Bernd Schuh

Unruhe in den USA. Aufregung und Nervenkitzel bei jeder besseren Party. Aber nicht (nur) die politischen Unruheherde in Teheran und Kabul erregen die Gemüter, sondern – so die New York Times – „eine revolutionäre Theorie, derzufolge alle Materie schlußendlich verschwinden soll“, Öl ins Feuer dieser Weltuntergangsstimmung gießen Aussprüche wie die des letztjährigen Physik-Nobelpreisträgers und Harvard-Professors Sheldon Glashow: „Was könnte wichtiger sein als die Frage, ob ein Diamant wirklich für die Ewigkeit gemacht ist oder nicht?“

Da fühlt sich dann natürlich jedermann betroffen. Der Gedanke an langsam, aber unaufhaltsam schwindende Schätze im Schmucktresor zählt noch zu den harmloseren Befürchtungen. Finstere Visionen vom Ende der Welt, wie sie Stück für Stück auseinanderbröckelt, drängen sich auf. Und die Vorstellung vom eigenen Körper als ungeschützt und schutzlos einherwandelnder radioaktiver Quelle erzeugt Unbehagen, wenn nicht gar Schrecken.

Worum geht es eigentlich? Seit mehr als sechs Jahren existiert eine physikalische Theorie, an der auch Glashow, der Urheber des Diamanten-Zitats, maßgeblich beteiligt war. Eine (von vielen) Konsequenzen dieser Theorie ist die Voraussage, daß auch die grundlegenden Bausteine der Atomkerne und damit der materiellen Welt, die Neutronen und ihre positiv geladenen Brüder, die Protonen, nicht ewig bestehen, sondern nach einiger Zeit spontan in leichtere Bestandteile zerfallen – im Prinzip ähnlich wie die radioaktiven Elemente.

Auch auf die Frage, wie lange im Schnitt ein Proton braucht, um als solches zu verschwinden, glauben Physiker eine brauchbare Antwort zu haben. Während die Theoretiker eine obere Grenze für die Lebensdauer von Protonen angeben können, lassen die negativen Resultate von Experimenten auf eine untere Schranke schließen. Die Aussagen von Theorie und Experiment treffen sich etwa bei der gleichen Zahl: zehn hoch einunddreißig Jahre – eine Eins mit einunddreißig Nullen oder