Werden sich die deutschen Aktien genauso von der Zinsentwicklung lösen wie in den USA? Oder läuten die sinkenden Kurse der festverzinslichen Papiere das Ende der kurzen, aber kräftigen Erholungsphase am Aktienmarkt ein? Um die Wochenmitte war der deutsche Aktienmarkt in eine Zitterphase eingetreten, von der jedoch noch nicht zu erkennen war, ob sie eine Trendwende oder nur eine Reaktion auf die vorangegangenen Kurssteigerungen darstellt.

Ohne Zweifel macht die Zinsentwicklung den Wertpapierdisponenten der Kapitalsammelstellen und Kreditinstitute beträchtliche Sorgen. Im zehnjährigen Bereich waren unter Banken bereits Renditen bis zu 8,45 Prozent zu erzielen. Daß unter diesen Umständen für die neue achtprozentige Postanleihe mit ihrer Rendite von nur 8,11 Prozent geringe Begeisterung besteht, ist also kein Wunder. Bei ihrem Absatz wird jedoch auf den „Seltenheitswert“ gebaut, den die Postanleihen in den letzten Jahren bekommen haben. Er macht die Emission für jene reizvoll, die aus Gründen der gesetzlich vorgeschriebenen Risikostreuung auf Emittenten warten, die nicht so oft wie der Bund an den Kapitalmarkt gehen.

Zwei Gründe gibt es für die neuerliche Zinsanhebung, die unter Umständen auch noch zu einem höheren Nominalzinssatz als acht Prozent (wie heute schon bei Pfandbriefen) führen wird. Da ist einmal die Haltung der Bundesbank, die offensichtlich entgegen aller gewerkschaftlichen Proteste zur Zeit nicht daran denkt, ihre Restriktionsschraube zu lockern, jedenfalls nicht, so lange die Tarifrunde in der Schwebe ist. Und zum anderen macht sich das Fehlen ausländischer Gelder am deutschen Kapitalmarkt immer fühlbarer bemerkbar. Der Dollar besitzt zur Zeit für internationales Kapital die größere Anziehungskraft.

Auch am Aktienmarkt sind Ausländer nur noch sporadisch anzutreffen. In den letzten Tagen dürften vermutlich einige Siemens-Aktien ins Ausland abgeflossen sein. Offensichtlich eine Reaktion auf die Abschlußveröffentlichung und auf die optimistische Prognose, mit der sich Siemens-Chef Plettner verabschiedet hat.

Bemerkenswert ist, daß die Preussag-Aktien, die immerhin seit Jahresbeginn um mehr als 50 Mark gestiegen sind, bisher kaum unter technischen Reaktionen gelitten haben. Hier scheint sich abzuzeichnen, daß die in diesen Papieren steckende „ölphantasie“ eine stärkere Kursstütze darstellt, als es bisher die Preussag-„Fans“ zu hoffen gewagt hatten. K. W.